Welt ohne Hunger ist möglich

24.11.2017

© Joerg Boethling/agenda

Um die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren, muss die globale Nahrungsmittelproduktion laut Expertenanalysen bis 2050 um rund 60 % gesteigert werden. „Wenn wir wollen, dann können wir das schaffen“, zeigte sich Bundesentwicklungshilfeminister Gerd Müller beim Pressegespräch „Eine Welt ohne Hunger“ auf der Agritechnica in Hannover optimistisch. Das sei nicht nur aus ethischen und moralischen Gründen Pflicht, sondern liege auch im Eigeninteresse der Industrieländer, da ansonsten die Menschen aus den Hungergebieten zu ihnen kämen.

 

Technologie entwickeln


Notwendig, so Müller, sei eine „zweite Grüne Revolution“ für die Millionen von Kleinbauern in Regionen mit Nahrungsmangel. Das gehe aber nicht mit der „Großtechnik der Agritechnica“, sondern erfordere angepasste Lösungen für die Kleinbauern. Müller wies dabei auf die vom Ministerium initiierten 14 „Grünen Innovationszentren“ mit Schwerpunkt in Afrika hin, in denen mit Partnern eine nachhaltige Landwirtschaft gefördert werde, um Beschäftigung und Lebensperspektiven auf dem Land zu schaffen.


Für den Präsidenten der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), Carl-Albrecht Bartmer, sind Ausbildung und Wissenstransfer die Schlüssel für eine nachhaltige Intensivierung der Landwirtschaft. Nur so könne es gelingen, ohne große Flächenausdehnungen die Erträge zu steigern. Die Produktivität sei eine Voraussetzung für den ökonomischen Erfolg und es sei kein Widerspruch, Ressourcen- und Umweltschutz in Einklang zu bringen.


Der Wissenschaftler Prof. Dr. Joachim von Braun vom Zentrum für Entwicklungsforschung der Universität Bonn stellte fest, dass das Problem Hunger komplexer geworden sei und anwenderfreundliche Landtechnik benötigt werde. Es gelte, politische, ökologische und technische Probleme zu lösen. Er forderte dazu auf, die Chancen technischer und züchterischer Innovationen ohne Einschränkungen zu nutzen. Das gelte auch für Verfahren wie das Genome Editing oder die CRISPR/Cas-Methode. Themen wie Energie, Klimaschutz und Finanzierung moderner Technik müssten im Fokus der Entwicklungsarbeit stehen. Darüber hinaus sieht von Braun großen Bedarf bei sozialen Sicherungssystemen und der Erforschung von Krisenszenarien.

 

Industrie im Boot


Der Vorstandsvorsitzende des weltweit tätigen Landmaschinenherstellers AGCO, Martin Richenhagen, plädierte dafür, dass bei der Landtechnik „mehrgleisig gefahren“ und das Technikangebot in den Schwellen- und Entwicklungsländern auch für kleinere Landwirte passen müsse. Von diesen befänden sich viele im Übergang zu Teilzeitaktivitäten, die mit angepasster Technik ihre Produktivität steigern könnten. Generell seien in Afrika, wo ein großes Agrarpotenzial bestehe, Effizienzsteigerungen am ehesten mit Präzisionslandwirtschaft und IT-Lösungen zu erwarten. Die Technikhersteller böten hierzu gute Lösungen. Gleichwohl komme es darauf an, nicht nur Maschinen  zu verkaufen, sondern auch auf die Ausbildung der Menschen vor Ort zu setzen.

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