Weitere Diskussion um „Ringelprämie“

30.03.2015

© Sabine Rübensaat

Die Diskussion um die Ringelschwanzprämie ist noch nicht zu Ende.

Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium will trotz Kritik an seiner Ringelschwanzprämie für nicht kupierte Schweineschwänze festhalten. Ministeriumssprecher Klaus Jongebloed bestätigte gegenüber der Presse, dass das Projekt noch in diesem Jahr starten werde, sofern die Mittel genehmigt werden. Vorwürfen, das Vorhaben würde das Tierleid vergrößern, trat Jongebloed entschieden entgegen. Betriebe, die an dem Projekt teilnähmen, würden umfassend beraten und intensiv kontrolliert. Sollten Schwierigkeiten auftreten, „werde rechtzeitig dazwischen gegangen“.

 

Angesprochen auf die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie der Tierärztlichen Hochschule Hannover unter Leitung von Prof. Thomas Blaha, nach denen lediglich 24 % der unkupierten Tiere mit voller Schwanzlänge an den Schlachthof geliefert wurden, wiederholte Jongebloed seine Einwände bezüglich des wissenschaftlichen Vorgehens. Insbesondere sei eine Reduzierung der Besatzdichte nicht erfolgt. Zudem habe es bei den Versuchsbetrieben keine untereinander vergleichbaren Größen der Tierbestände gegeben, und die Zusammensetzung der Ferkelgruppen sei beim Übergang zur Mast verändert worden. Der Ministeriumssprecher wies auch darauf hin, dass sich Prof. Blaha dafür ausgesprochen habe, in Verbindung mit Schulungen und Beratungen mit kleinen Gruppen von Schweinen unter optimierten Haltungsbedingungen mit dem Ausstieg aus dem Schwänzekupieren zu beginnen.

 

Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) bekräftigte indes ihre Kritik an dem Ringelschwanzprämienprojekt und dem Infragestellen der Studienergebnisse durch das Landwirtschaftsministerium. Die Reduzierung der Besatzdichte sei von vornherein nicht geplant gewesen, sondern Gegenstand einer Parallelstudie, deren Ergebnisse aber sonderbarerweise immer noch nicht veröffentlicht seien. Die Versuchsbetriebe seien selbstverständlich nicht alle gleich gewesen, da es sich um eine Praxisstudie gehandelt habe. Entscheidend sei aber, dass in allen Betrieben kupierte und unkupierte Tiere unter gleichen Bedingungen gehalten worden und somit die Ergebnisse vergleichbar seien. Wie üblich seien zwar die Gruppen nach der Aufzucht zur Mast neu zusammengestellt worden. Die kupierten und unkupierten Tiere seien jedoch in den Bereichen jeweils unter gleichen Bedingungen gehalten worden. Die Vorwürfe eines unzureichenden Versuchsdesigns seien daher „völlig haltlos“. „Ergebnisse, die nicht in die Ideologie des Ministers passen, werden in den Dreck gezogen“, so ISN-Chef Torsten Staack. A

 

 

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