Verbandsklage gegen Veterinäramt

09.11.2017

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Die Abschaffung der „heute üblichen Form der Putenmast“ in Deutschland erhoffen sich zwei Tierschutzorganisationen von einer Verbandsklage, die sie jetzt beim Verwaltungsgericht Stuttgart gegen das Veterinäramt Schwäbisch Hall eingereicht haben. Wie die Albert-Schweitzer-Stiftung und der Verein Menschen für Tierrechte Baden-Württemberg als Kläger mitteilten, wollen sie jetzt gerichtlich gegen die „gängigen Zustände in der Putenmast“ vorgehen.

 

Die Produktion sei geprägt von Überzüchtung, betäubungslosem Schnabelkürzen, hohen Fehlbetäubungsraten bei der Schlachtung sowie einer Haltung der Tiere auf engstem, verdrecktem Raum und ohne Beschäftigungsmaterial. Als Beweise führen die Kläger Videos an, die im Jahr 2015 bei Stalleinbrüchen illegal in einen Betrieb bei Schwäbisch Hall entstanden sind. Obwohl die Bilder „grauenvolle Bedingungen“ dokumentierten, sei das zuständige Veterinäramt nicht eingeschritten und habe sogar von einer „guten Putenhaltung“ gesprochen.


Die jetzt eingereichte Klage bezieht sich nur auf diesen konkreten Einzelfall. Bei einem Erfolg vor Gericht sehen die Kläger die Bundesregierung aber gezwungen, eine „Verordnung zu erlassen, die mit der heute üblichen Putenmast nicht mehr viel zu tun hat“.


Aus Sicht des Verbandes Deutscher Putenerzeuger ist die Klage allerdings „inhaltlich substanz- und haltlos“ und eine reine „Luftnummer“. Der Vizepräsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) und Vorsitzende des Verbandes Deutscher Putenerzeuger (VDP), Thomas Storck, betonte am Freitag vergangener Woche, dass die Putenhaltung in Deutschland tiergerecht sei, im Einklang mit dem Tierschutzgesetz stehe und den höchsten Standards weltweit genüge. Von „systematischen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz“, wie in dem „offenkundigen Show-Prozess angeprangert“, könne keine Rede sein.

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