Umweltbewusstseinsstudie 2016

21.04.2017

© Sabine Rübensaat

Tierwohlargumente sind für die Bundesbürger beim Fleischeinkauf ein wichtigerer Grund für höhere Preise als Umweltaspekte. Das belegt zumindest die aktuelle Umweltbewusstseinsstudie, die von Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks und Dr. Harry Lehmann vom Umweltbundeamt (UBA) in Berlin vorgestellt wurde.

 

Tierwohl über alles


Würde mehr Tierwohl gesetzlich vorgeschrieben, wären gemäß der im Rahmen der Studie durchgeführten repräsentativen Umfrage 82 % der Bürger bereit, deutlich mehr oder zumindest etwas mehr für das Fleisch zu zahlen. Fast genauso viele, nämlich 80 % der Befragten, gaben bei der Erhebung an, bereit zu sein, einen höheren Preis zu zahlen, wenn das Fleisch nach den Kriterien der ökologischen Landwirtschaft produziert wurde. Für 78 % trifft dies zu, wenn mehr Umweltschutz als gesetzlich vorgeschrieben garantiert würde.
Zudem wurde von den Befragten versichert, auch Obst und Gemüse kaufen zu wollen, was äußerlich „nicht dem Standard“ entspreche.  


Weniger oder gar kein Fleisch zu essen, wird laut der Umweltbewusstseinsstudie gesellschaftlich immer mehr akzeptiert. So hat sich der Anteil derer verdoppelt, die gänzlich auf Fleisch verzichten, wenngleich dieser mit 4 % nach wie vor sehr gering ausfällt. Der Anteil der Verbraucher, die nach eigener Aussage nur einmal pro Woche oder seltener Fleisch essen, ist von 22 % auf 25 % gestiegen. Es werde also auch für Nicht-Vegetarier zunehmend attraktiver, sich partiell fleischlos zu ernähren, schlussfolgern die Autoren. Unter den Menschen, die sehr selten oder nie Fleisch essen, finden sich – wie schon in früheren Befragungen – Frauen weit häufiger als Männer und ältere Menschen häufiger als jüngere Personen. Unter den Vegetariern sind die 20- bis 29-Jährigen mit einem Anteil von 10 % überdurchschnittlich vertreten. Bei jungen Menschen findet man aber beides, nämlich sowohl einen hohen Fleischkonsum als auch Vegetarismus und Veganismus.

 

Umwelt als Topthema


Hendricks stellte generell zu den Ergebnissen der Studie fest, dass die Idee der Nachhaltigkeit „in der Mitte der Gesellschaft angekommen“ sei. Umweltschutz werde generell nicht mehr als isoliertes Politikfeld wahrgenommen, sondern als Teil der Lösung für „große ökonomische und soziale Herausforderungen“. Die Bundesumweltministerin widersprach Vorwürfen, sich in andere Politikbereiche einzumischen, für die sie nicht zuständig sei. Die negativen Auswirkungen durch den Verkehr oder die Landwirtschaft fielen auf sie zurück; von daher habe sie natürlich ein Interesse an diesen Politikfeldern.

 

Vorsicht mit Schlüssen

 

Hinsichtlich deutlich weitergehender Schlussfolgerungen scheint mit den Studienergebnissen allerdings Vorsicht geboten zu sein. Selbst die Autoren der Studie räumen ein, dass die Angaben zur Zahlungsbereitschaft das tatsächliche Verhalten an der Ladentheke überschätzen und die Befragten sicherlich auch teilweise so antworteten, wie sie es für „sozial erwünscht“ hielten. Dennoch sehen die Forscher die Ergebnisse als wichtigen Hinweis auf einen Bewusstseinswandel in der Bevölkerung an.


Beim Lebensmittelkauf allgemein achten die Befragten laut der Studie vor allem auf die Frische und regionale Herkunft, gefolgt von Qualität und der Freiheit von Zusatzstoffen. Der Preis kommt erst an fünfter Stelle. Allerdings zeigten sich deutliche Unterschiede bei den verschiedenen Einkommensgruppen. AgE

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