Umsetzung der Düngeverordnung

09.04.2018

© Thomas Tanneberger

In sieben niedersächsischen Landkreisen werden laut Wirtschaftsdüngebilanz die Obergrenzen für Stickstoff überschritten, und ab 2022 wird das bei dann strengeren Regeln auch für Phosphat der Fall sein. „Hier gibt es nichts zu beschönigen. Für uns ist das ein klarer Handlungsauftrag“, betonte die zuständige Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast bei der Vorstellung des Nährstoffberichtes 2016/17 in Hannover. Die neuen Berechnungen zeigten, dass viel zu viel Stickstoff und Phosphat vorhanden sei. „Das gilt es mit vereinten Kräften zu ändern“, so die Ministerin.

 

Aufrüttelnde Resultate


Laut Nährstoffbericht gab es in der Periode vom 1. Juli 2016 bis
30. Juni 2017 – gemessen am Pflanzenbedarf – in Niedersachsen einen Überschuss von rund 68.000 t Stickstoff beziehungsweise 26 kg/ha. Für Phosphor wurde ein Einsparpotenzial von 30.000 t ermittelt. Die Menge von Dung- und Gärresten hat sich dem Nährstoffbericht zufolge 2016/17 in Niedersachsen gegenüber dem Vorjahr um 0,66 Mio. t auf 59,3 Mio. t erhöht. Dabei war das Aufkommen an Gülle und Festmist wegen rückläufiger Tierbestände etwas geringer als 2015/16, bei Gärresten dagegen war ein Anstieg zu verzeichnen. Insgesamt belief sich der Nährstoffanfall aus Wirtschaftsdünger auf rund 333.000 t Stickstoff; das waren etwa 10.000 t mehr als im Vorjahr. Bei Phosphor stieg die Menge um 2.000 t auf 166.700 t. Der Mineraldüngerabsatz wuchs um 28.000 t.

 

Verbringung gestiegen


Wie aus dem Bericht weiter hervorgeht, ist die Verbringungsmenge von Wirtschaftsdünger 2016/17 gegenüber dem Vorjahr um 8,1 % auf 3,61 Mio. t angestiegen. Daneben wird festgestellt, dass in 24 von 38 Landkreisen die mittlere Nitratkonzentration im Sickerwasser über 50 mg/l liegt. Sollten 50 mg als Grenzwert eingehalten werden, müssten bis zu 90.000 t Stickstoff eingespart werden. Bei den Oberflächengewässern erreichten nur 2 % der Fließgewässer das Ziel eines guten ökologischen und chemischen Zustands.


Zur Eindämmung der Nährstoffüberschüsse kündigte Ministerin Otte-Kinast zwei neue Instrumente an. Zum einen sollen „Risikogebiete“ ausgewiesen werden, die besonders mit Phosphat und Nitrat belastet sind. In diesen Gebieten könnten Landesmaßnahmen umgesetzt werden. Zum anderen sollen landesweit Daten der landwirtschaftlichen Betriebe bei der Düngebehörde zusammenfließen. Dadurch könnten etwaige Abweichungen rascher und gezielter als bisher festgestellt werden. Lobend hob die Ministerin die hohe Bereitschaft vieler Akteure hervor, die Situation zu verändern. Dazu zählten die bereits in 14 Landkreisen eingerichteten Runden Tische zum Nährstoffmanagement sowie der Masterplan im Oldenburger Münsterland.
Handlungsbedarf sieht auch der Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Gerhard Schwetje. Bei der Düngung dürfe künftig nur der Bedarf der Pflanzen das Maß der Dinge sein. Schwetje räumte ein, dass es bei den organischen Nährstoffen ein Mengenproblem und ein Verteilungsproblem gebe. Um dies zu lösen, müsse man Wirtschaftsdünger und Gärreste aufbereiten. Allein über die Verbringung von Nährstoffen lasse sich das Problem der Überschüsse jedoch nicht lösen. Es müsse auch mehr Mineraldünger durch Wirtschaftsdünger ersetzt werden.

 

Schattenseite beachten


Der Präsident des Landvolkes Niedersachsen, Albert Schulte to Brinke, verwies umgehend auf die Kehrseite der Entwicklung. Kleinere oder ältere Tierhalter würden aus der Produktion aussteigen, da sie die hohen Investitionen in Gülle- und Dunglager sowie moderne Ausbringungstechniken nicht stemmen könnten. Damit würde sich die Agrarstruktur in eine Richtung entwickeln, die gesellschaftlich kritisiert werde, nämlich hin zu größeren Einheiten.

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