TTIP: Ganz, ganz kleine Unterschiede

15.09.2014

© Thomas Tanneberger

Die US-amerikanische Getreidewirtschaft dürfte sich auf Freihandel mit Europa freuen.

Laut einer Studie des Münchener Instituts für Wirtschaftsforschung (ifo) für das Europäische Parlament, die am vergangenen Mittwoch in Brüssel vorgestellt wurde, dürfte sich durch ein Freihandelsabkommen eine deutliche Steigerung des Agrarhandels ergeben. Wenn alle Handelshemmnisse nur um 25 % verringert würden, könnten die EU-Exporte von Agrarrohstoffen und Lebensmitteln um 60 % ansteigen, so die Studie.

Das ist allerdings nur die eine Seite der Medaille, denn die Studie sagt zugleich voraus, dass die Importe aus den USA nach Europa unter ebendiesen Bedingungen um 120 % wachsen könnten. Dies würde den bisherigen EU-Überschuss im Agrar-außenhandel mit den USA von derzeit etwa 6 Mrd. € auf null reduzieren. Der positive Effekt des TTIP auf die Agrarwirtschaft sei daher vergleichsweise mit der verarbeitenden Industrie oder dem Dienstleistungsbereich eher gering, fasste der Leiter des ifo-Zentrums für Außenwirtschaft, Prof. Gabriel Felbermayr, die Ergebnisse der Studie zusammen.

Zudem seien Marktverwerfungen zu befürchten, vor allem da, wo der gegenwärtige EU-Zollschutz hoch sei und die europäischen Produzenten Kostennachteile aufgrund strenger EU-Regeln hätten. Davon betroffen wären hauptsächlich Geflügel, Rindfleisch, Isoglukose und bestimmte Getreidebranchen. Um derartige negative Effekte zu vermeiden, würden Mengenbeschränkungen und Sicherheitsklauseln für einige Produkte angestrebt, denn eine Absenkung der EU-Standards erscheine politisch unmöglich, so Felbermayr. Diese und weitere nichttarifären Handelshemmnisse gehören für den Wissenschaftler zu den Schlüsselfragen der Zukunft im internationalen Handel.

Studien gingen bisher davon aus, dass das Ausmaß dieser Handelshemmnisse im Schnitt einem Zoll von 50 % entsprechen würde. Die Herausforderung für die Unterhändler bestehe nun darin, unnötige Hemmnisse zu identifizieren und zu beseitigen. Felbermayr zufolge könnten auch eine Lockerung der amerikanischen Inspektionsprozeduren, eine Vereinfachung der US-Sicherheitsvorgaben für Lebensmittel und geringere bürokratische Anforderungen die Handelskosten senken.

Allerdings, und das ist ebenfalls bedeutsam, könnte das TTIP auch eine willkommene Marktchance für EU-Produzenten von Milcherzeugnissen, speziellen Fleischprodukten oder Wein werden.  

Buchbestellung

 

Buch kaufen

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr