Tierwohlzeichen kommt 2019

08.12.2016

© Sabine Rübensaat

Vorgesehen sei das ­Label zunächst für den Schweinebereich.

Die Einführung eines staatlichen Tierwohllabels in den Markt soll bis 2019 bewältigt sein. Das jedenfalls strebt das Bundeslandwirtschaftsministerium nach Angaben seines Staatssekretärs Dr. Hermann Onko Aeikens mittlerweile an. Beim Forum Tierische Veredlung des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV) in Berlin stellte Aeikens unumwunden ein dreistufiges Zeichen in Aussicht. Die Anforderungen für die Eingangsstufe würden oberhalb der gesetzlichen Standards liegen. Details stünden noch nicht fest. Benötigt werde eine gesetzliche Grundlage für das Zeichen, dessen Nutzung freiwillig sein werde. Der Staatssekretär stellte eine finanzielle Begleitung der Markteinführung durch das Bundeslandwirtschaftsministerium in Aussicht. Vorgesehen sei das ­Label zunächst für den Schweinebereich. Aeikens verwies jedoch auch auf spürbares Interesse aus der Geflügelwirtschaft. Dieser ­Bereich könne in einem zweiten Schritt einbezogen werden, bevor schließlich über eine Ausweitung auf Milchprodukte nachzudenken sei.


Die bisherigen Gespräche mit der Wirtschaft über die Kriterien für das Label nannte der Staats-sekretär vielversprechend. Er bekräftigte, dass Ressortchef Christian Schmidt bei der kommenden Internationalen Grünen Woche Grundzüge des Tierwohllabels vorstellen werde. Aeikens sieht in dem staatlichen Tierschutzlabel nicht zuletzt die Chance, „die viel kritisierte Nutztierhaltung ein Stück weit aus der öffentlichen Schusslinie zu holen“. Vorteile des Zeichens lägen in der damit einhergehenden Verbesserung des Tierwohls sowie der Möglichkeit, auf diese Weise zusätzlich Kaufkraft derjenigen Konsumenten abzuschöpfen, die bereit seien, für entsprechende Produkte einen höheren Preis zu bezahlen. Verständnis zeigte der Staatssekretär für die Forderung der Wirtschaft nach verlässlichen Rahmenbedingungen. Mit der angestrebten nationalen Nutztierstrategie arbeite das Bundeslandwirtschaftsministerium an diesem Ziel.


Forderungen nach einer Abkehr vom Export tierischer Lebensmittel oder zumindest einer weitgehenden Verringerung der Ausfuhren erteilte Aeikens eine Absage. Angesichts wachsender Weltmärkte und der Bedeutung des Exports für die landwirtschaftlichen Einkommen sei dies keine Option. Außer Frage stehe jedoch, dass die Tierhaltung wieder mit den gesellschaftlichen Erwartungen in Einklang gebracht werden müsse. Voraussetzung dafür sei die Einsicht, dass es Fehlentwicklungen in der Zucht und Haltung von Nutztieren gebe und Schwachstellen beseitigt werden müssten. Das reiche von einer stärkeren Ausrichtung der Zucht auf Ziele wie Robustheit und Gesundheit bis zu einem weitgehenden Verzicht auf nichtkurative Eingriffe.


Der Staatssekretär appellierte an die Branche, die Zeichen der Zeit zu erkennen und darauf zu reagieren: „Gegen den gesellschaftlichen Mainstream kann man nicht produzieren.“

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