Tierwohlkennzeichnung bei Fleisch

04.04.2018

© Thomas Tanneberger

Die Diskussion um eine Haltungskennzeichnung für tierische Erzeugnisse ist in der vergangenen Woche erneut hochgekocht. Anlass dafür bot die Ankündigung des Lebensmitteldiscounters Lidl, ab Anfang April Fleischprodukte seiner Eigenmarken mit einem mehrstufigen „Haltungskompass“ auszuzeichnen.

 

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner warnte davor, die Verbraucher zu überfordern. „Ich will ein staatliches Tierwohllabel, das Verbrauchern eine klare Orientierung gibt“, erklärte sie. Verbrauchern sei es wichtig zu wissen, wo ihr Fleisch und ihre Wurst herkommen. Sie zeigten an der Kasse, was ihnen Tierwohl wert ist. „Das staatliche Label muss klar, wahr und verlässlich sein.“


Während die CDU-Politikerin offenbar weiter auf ein freiwilliges Label setzt, geht der Koalitionspartner weiter. „Wir brauchen jetzt dringend eine einheitliche und verpflichtende Kennzeichnung für Fleisch aus artgerechter Tierhaltung“, erklärte der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Dr. Matthias Miersch. Man dürfe die Kennzeichnung nicht dem Markt überlassen.


Grünen-Fraktionschef Dr. Anton Hofreiter warf der Koalition vor, sich lediglich auf ein „Wischi-Waschi-Label“ zu verständigen. Hofreiter befürchtet einen Label-
dschungel, „wenn jetzt jede Supermarktkette ihre eigene Kennzeichnung aus dem Boden stampft“. Fraktionskollege Friedrich Ostendorff bezeichnete ein freiwilliges Label erneut als mangelhaft. Notwendig seien „umfassende Änderungen jenseits von Spartenlösungen“.


Der Geschäftsführer der QS Qualität und Sicherheit GmbH, Dr. Hermann-Josef Nienhoff, sieht die gesamte Lebensmittelkette gefordert, sich auf eine abgestimmte Vorgehensweise zu verständigen.  


Nach dem vierstufigen Lidl-Konzept entspricht die Stufe 1 – „Stallhaltung“ – den geltenden gesetzlichen Bestimmungen. Fleisch der Stufe 2 – „Stallhaltung Plus“ – korrespondiert mit den Vorgaben der Brancheninitiative Tierwohl. Den Tieren soll mehr Platz als vorgeschrieben gewährt werden und Beschäftigungsmaterial zur Verfügung stehen. Das so gekennzeichnete Fleisch soll laut Lidl nachweislich von Betrieben stammen, die diese Zusatzkriterien erfüllen. Mit Stufe 3 – „Auslauf“ – verbindet Lidl weitergehende Anforderungen. So soll den Tieren noch mehr Platz zur Verfügung stehen als in Stufe 2, und sie sollen Zugang zu Außenklimabereichen haben. Zusätzlich sollen die Futtermittel ohne Gentechnik erzeugt worden sein. Schließlich will Lidl Biofleisch mit der Stufe 4 „Bio“ kennzeichnen.


Gekennzeichnet werden soll nur deutsche Rohware. An der Preisgestaltung soll sich zunächst nichts ändern. Eigenen Angaben zufolge will Lidl erreichen, dass bis Anfang 2019 rund die Hälfte seiner Frischfleischprodukte mindestens der Stufe 2 entsprechen. Langfristig wolle man dazu beitragen, „dass sich die Standards in ganz Deutschland sukzessive erhöhen“, teilte das Unternehmen mit.

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