Tierwohl-Initiative: Der Handel ist am Zug

09.01.2014

Bildautor: © Sabine Rübensaat

Ringelschwanz bei Schweinen

Verstärkte Anstrengungen innerhalb der Wertschöpfungskette zur Umsetzung der Tierwohl-Initiative hat der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Bernhard Krüsken, angemahnt. „Die Landwirtschaft hat ihre Hausaufgaben gemacht“, so Krüsken in einem Gespräch mit dem Presse- und Informationsdienst Agra-Europe. Er sehe jetzt den Lebensmittelhandel gefordert, sein Bekenntnis umzusetzen.

Gleichzeitig räumte Krüsken Schwierigkeiten bei der Realisierung ein. Der Teufel stecke auch hier im Detail, sodass die ursprünglichen zeitlichen Vorstellungen nicht zu halten seien. Der DBV-Generalsekretär geht davon aus, dass bis Mitte nächsten Jahres die ersten Tierwohl-Betriebe zertifiziert sein werden. Spätestens Ende 2014 könnten dann die ersten Produkte in den Läden sein. Deren möglichen Marktanteil veranschlagt Krüsken auf 20 bis 30 %. Für die Landwirtschaft bestehe mit der Tierwohl-Initiative die Chance, den gesellschaftlichen Erwartungen an die Tierhaltung näher zu kommen und gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit der tierischen Erzeugung zu sichern.

Gelingt das nicht, befürchtet Krüsken eine Verschärfung des Ordnungsrechts und damit letzten Endes eine Abwanderung der Produktion aus Deutschland. Gefordert sieht er beim Thema „Tierwohl“ in erster Linie die Wirtschaft. Aufgabe der Politik sei es, „die von uns mit angestoßene Initiative zu unterstützen“, betonte der Generalsekretär. Seiner Einschätzung nach wird die Debatte um die landwirtschaftliche Tierhaltung eines der vorrangigen Themen für den Bauernverband im neuen Jahr sein. An Bedeutung gewinnen werde jedoch eine zunehmend kritische Diskussion um den Ackerbau und hier besonders um den Pflanzenschutz. „Wir stellen unsere Kommunikation darauf ein“, kündigte der DBV-Generalsekretär an. Ziel müsse es sein, dass sich der Verband in der Kommunikation breiter aufstelle und alle Kanäle nutzt. Das reiche von der klassischen Pressemitteilung bis zu den Möglichkeiten, die die sozialen Medien bieten würden. „Wir müssen erreichen, dass jeder Landwirt die Öffentlichkeitsarbeit als wichtigen Bestandteil seiner unternehmerischen Tätigkeit begreift“, erklärte der 50-jährige Diplom-Agraringenieur. Dabei brauche es neue Antworten in der Öffentlichkeitsarbeit. Zwar will Krüsken „nicht ganz ausschließen“, dass der Bauernverband auch in Zukunft noch einmal zu einer Demonstration aufruft; allerdings würden die Themen, die sich dafür eigneten, deutlich weniger. Wichtiger sei, dass der einzelne Landwirt „sprechfähig“ sei. Mit der Internetplattform http://www.meine-bauernfamilie.de habe der DBV hierzu einen vielversprechenden Ansatz entwickelt. In dieser Richtung werde man weiter arbeiten. Der Generalsekretär betonte zugleich die Notwendigkeit, die Öffentlichkeitsarbeit innerhalb des Agribusiness bei einigen grundlegenden Themen stärker zu bündeln, ohne dafür gleich eine neue Plattform oder Institution aufzubauen. „Wir brauchen Vieles, aber bestimmt nicht noch einen Klub“, stellte Krüsken fest.

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