Tierproduktion im Mittelpunkt

08.12.2014

© Sabine Rübensaat

Milchviehanlage (Kuhstall)

Keinen Hehl machte der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) auf dem von ihm ausgerichteten Fachforum aus seiner Absage an Branchenlösungen für gentechnikfreie Futtermittel. Diese seien nicht vereinbar mit dem Grundsatz der Wahlfreiheit landwirtschaftlicher Unternehmer, so Verbandspräsident Manfred Nüssel in seiner Eröffnungsrede. Nach seiner Einschätzung ist kaum einem Verbraucher bewusst, dass der Einsatz der Gentechnik längst sicherer Standard in vielen Prozessketten sei. Für Nüssel folgt daraus, „nicht die Gentechnik ist das Problem, sondern die Kommunikation der modernen Lebensmittelproduktion.“ Die Politik müsse auch in Zukunft eine sichere Rohstoffversorgung für die tierische Veredlung gewährleisten, mahnte der DRV-Präsident. Die europäische Futtermittelwirtschaft sei auf Rohstoffimporte angewiesen. Nüssel: „Fehlende oder verzögerte Zulassungen
von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) dürfen uns nicht vom globalen Warenhandel abkoppeln.“

In einer Fünf-Punkte-Position zur Verwendung gentechnisch nicht veränderter Futtermittel in der Milch- und Fleischproduktion mahnt der DRV die Sicherung der Wahlfreiheit sowohl auf der Nachfrage- als auch auf der Angebotsseite an. Dies umfasse auch das Recht der landwirtschaftlichen Erzeuger auf freie Wahl der Futtermittel, heißt es in dem Papier. Gleichzeitig unterstützt der DRV nach den Worten seines Generalsekretärs Dr. Henning Ehlers jedoch freiwillige Initiativen der Unternehmen zum Einsatz gentechnisch nicht veränderter Futtermittel. Mit Nachdruck wendet sich der DRV jedoch gegen den Versuch, die „Gentechnikfreiheit“ von Futtermitteln pauschal als eine Voraussetzung für Nachhaltigkeit zu definieren.

Präsident Nüssel bekräftige die Bereitschaft des DRV zu einer weiteren schrittweisen Optimierung der Nutztierhaltung in Deutschland. Kernelement dafür sei, dass Maßnahmen im Schulterschluss der gesamten Lebensmittelkette umgesetzt würden. Zudem dürfe der Bogen nicht überspannt werden, denn, so Nüssel, „die deutsche Agrarbranche ist anpassungsfähig, aber nicht beliebig belastbar.“ Veränderungen müssten planbar sein. Von der Politik erwarte der Raiffeisenverband eine klare Positionierung für eine wettbewerbsfähige tierische Veredlung in Deutschland sowie eine faire Kommunikation, „die auf Schwarz-Weiß-Malerei und Schuldzuweisungen verzichtet.“

In weiteren Statements und Vorträgen auf dem gut besuchten Forum wurde deutlich, dass die Tierwohlinitiative von Handel und Berufsstand planmäßig Anfang Januar startet und teilnehmenden Betrieben bei Einhaltung der vorgegebenen Krierien ca. 10 € pro Mastschwein an zusätzlicher Vergütung winken. Voraussetzung sei, dass sich interessierte Erzeuger bis April zur Teilnahme melden.

In Sachen Milchmarktpolitik wurde klar, dass die Bundesregierung einen Kurswechsel weiterhin strikt ablehnt. „Neue staatliche oder halbstaatliche Mengenregelungen werden von der Bundesregierung nicht unterstützt, auch nicht im Fall der aktuell zu beobachtenden Entwicklungen auf dem Milchmarkt“, stellte die Parlamentarische Staatssekretärin, Dr. Maria Flachsbarth, klar. Der marktwirtschaftliche Kurs sei alternativlos. Nach Auffassung der Staatssekretärin ist das mit der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) noch ausgeweitete Sicherheitsnetz für den Milchbereich auch im Krisenfall ausreichend. So sei die Höchstmenge für die Intervention von Butter zum Festpreis von 30 000 t auf 50 000 t angehoben worden. Den Zeitraum für die Intervention von Butter und Magermilchpulver habe man um einen Monat bis zum 30. September eines Jahres verlängert. Flankiert würden diese Marktmaßnahmen durch die private Lagerhaltung von Butter, Milchpulver und Käse. In außergewöhnlichen Marktkrisen könne die EU-Kommission zusätzlich schnell und flexibel weitere Maßnahmen ergreifen.

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