Tagung: Keine Angst vor der Zukunft

07.01.2014

Bildautor: © A.Dreher / pixelio.de

Blick in die Glaskugel

Die Risiken, die sich aus Wetter, Markt und Politik ergeben, dürften die landwirtschaftlichen Betriebe von morgen viel stärker beschäftigen als bisher. Davon hat sich Prof. Peter Michael Schmitz auf der Tagung „Ein Blick in die Glaskugel – Landwirtschaft von morgen“ überzeugt gezeigt, die rund 350 junge Menschen in die Aula der Universität Göttingen lockte. Angeboten wurde die Veranstaltung von der Jugendorganisation der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft, der Jungen DLG, gemeinsam mit Arbeitsgemeinschaften und der Fachschaft der Agrarwissenschaftlichen Fakultät der Hochschule.

 

Risiken aktiv angehen

Prof. Schmitz ging davon aus, dass das Risikomanagement für Landwirte und deren Marktpartner immer wichtiger wird. Dabei komme der Information über das Marktgeschehen eine zentrale Bedeutung zu. Der Agrarwissenschaftler hob hervor, dass die wachsenden Weltmärkte den Landwirten gute Absatzmöglichkeiten bieten, obgleich dies kein Selbstläufer sei. Allerdings gebe es eine Unsicherheitskomponente in Form gesellschaftlicher Widerstände gegen eine moderne Tier- und Pflanzenproduktion. Hinzu komme der Faktor „EU-Agrarpolitik“. Diese sei zwar für die nächsten Jahre geregelt, stelle aber die Weichen nicht auf Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Vielmehr stünden Klima-, Umwelt-, Verbraucher- und Tierschutz im Mittelpunkt.

 

Vertikale Produktion?

Prof. Joachim Sauerborn von der Universität Hohenheim erwartet für die Zukunft, dass die Landwirtschaft nicht nur im ländlichen Raum, sondern auch in Städten betrieben wird. Dort könnte sich die horizontale Produktion um die vertikale erweitern. Dahinter verbirgt sich laut Sauerborn der Ansatz des „Skyfarmings“, also der Produktion von Nahrungsmitteln in mehrstöckigen Häusern. Diese Produktionsform erlaube eine Vervielfältigung des Flächenertrages bei gleichzeitiger Verminderung von Umwelteinflüssen. Die Produktion finde dort statt, wo der Verbrauch sei. Zudem erlaubten solche geschlossenen Systeme eine Kreislaufwirtschaft und sichere Ernten. Dies sei eine Zukunftsoption angesichts der Tatsache, dass die Weltbevölkerung wachse und die Ackerfläche pro Jahr weltweit um bis zu 3,3 Mio. ha schrumpfe.

 

Professioneller werden

Einen Ausblick in die Zukunft wagte auch Michael Horsch von der Horsch Maschinen GmbH. Nach seiner Ansicht müssen die Landwirte aufgrund der knappen und immer teurer werdenden Flächen sowie einer steigenden Nachfrage nach Nahrungsmitteln noch professioneller werden. Anhand eines Beispiels aus Tschechien erläuterte Horsch, wie Rationalisierung in der Landwirtschaft praktisch funktioniert. Eine große Zukunft prognostizierte der Landtechnikexperte dem Controlled Traffic Farming (CTF), also dem Befahren der Äcker auf definierten und dauerhaften Fahrspuren, mithin der Trennung von Produktions- und Befahrungsflächen.

 

Prozesse optimieren

Wie man einen landwirtschaftlichen Betrieb fit für die Zukunft machen kann, erläuterte Stefan  Teepker, Landwirtschaftsmeister aus dem Emsland, am eigenen Beispiel. Ausgehend von einer Betriebsfläche von 32 ha entwickelte er in mehreren Schritten seinen Hof zu einem Unternehmen mit heute 15 Einzelbetrieben und 240 ha Ackerland, 3.600 Schweinemastplätzen, 1.000 Sauen, 435.000 Geflügelmastplätzen, Solarenergie und Biogas. Die nächsten Wachstumsschritte hat der junge Landwirt in seinem Betriebskonzept bereits schriftlich festgehalten. Als wichtigste
Aufgaben nannte Teepker die Optimierung der Produktionsprozesse, die Systematisierung von Arbeitsabläufen und die Mitarbeitermotivation. Außerdem sollte man als Landwirt stets kooperationsbereit und für Innovationen im Betrieb offen sein.

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