Sturmwarnung für den Milchmarkt

17.09.2014

© Sabine Rübensaat

Mittelfristig ist keine Rückgang der Milchmenge zu erwarten, sagt der Vorsitzende der Erzeugerorganisation Peter Guhl.

Göttingen. Die MEG Milch Board hat ihre Mitglieder vor unruhigen Zeiten am Milchmarkt und einem weiteren Auseinanderlaufen der Erlös-Kosten-Schere gewarnt. Anlass waren die veröffentlichten Berechnungen des Büros für Agrarsoziologie & Landwirtschaft (BAL), nach denen sich die durchschnittlichen Produktionskosten der Milcherzeuger im Bundesgebiet von Januar bis April um 0,79 ct auf 45,95 ct/kg Rohmilch erhöht haben, während der Milchpreis im gleichen Zeitraum um 0,86 ct auf 40,60 ct/kg gesunken ist. Zur Kostendeckung hätten den Milchviehhaltern somit 5,35 ct/kg oder 12 % gefehlt, schlussfolgerte daraus die MEG Milch Board.

Der Vorsitzende der Erzeugerorganisation, Peter Guhl, befürchtet, dass diese Diskrepanz in den nächsten Monaten noch zunehmen wird: „Wir wollen den Teufel nicht an die Wand malen, aber die Zeichen stehen auf Sturm.“ Alle bedeutenden Erzeugungsregionen hätten ihre Produktionsmengen massiv ausgeweitet; allein für die EU betrage das Plus mehr als 5 % im Vergleich zum ersten Halbjahr 2013. Mittelfristig sei auch kein Rückgang der Milchmengen zu erwarten, denn die Ställe seien voll mit Kühen und die Erzeuger hätten gute Futtervoraussetzungen geschaffen. Laut Guhl hat Europa in den vergangenen Jahren davon profitiert, dass Regionen wie die USA oder Neuseeland witterungsbedingt zurückschalten mussten. Diese Situation habe sich nun aber geändert. „Wir produzieren aktuell definitiv mehr als der Markt verträgt“, so Guhl.

Die EU-Kommission hat sich unterdessen kritisch zu den Interpretationen des European Milk Board (EMB) und dessen Mitgliedsorganisationen geäußert. In ihrer Antwort auf eine Anfrage der niederländischen Europaabgeordneten Annie Schreijer-Pierik hatte die Kommission erkennen lassen, dass sie die angeführten Kostenniveaus für wenig realitätsnah hält und vor allem die zugrunde gelegten Entlohnungsansätze als fragwürdig ansieht (BauernZeitung 36/2014, S. 70).

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr