Strom unterm Acker

17.12.2015

© Sabine Rübensaat

Hochspannungsleitungen für Windstrom: Vorrang für die Erdverkabelung.

Der Bundestag hat mit den Stimmen von CDU/CSU und SPD gegen die Stimmen der Linksfraktion bei Enthaltung der Grünen das Gesetz zur Beschleunigung des Energieleitungsausbaus beschlossen, das erweiterte Möglichkeiten für eine Erdkabelverkabelung von Hochspannungsleitungen vorsieht. Mit dem Gesetz wird es bei Gleichstromtrassen im Zuge der Energiewende einen generellen Vorrang für die Erdverkabelung geben. Gleichzeitig werden Erdkabel im Wechselstrombereich auf elf Pilotstrecken begrenzt.


Der Energiebeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Thomas Bareiß, schätzte in der Debatte den Umfang der Gleichstromkabel, die in den nächsten Jahren in der Erde verlegt werden, auf mehr als 1 700 km. Bareiß begrüßte ebenso wie der energiepolitische Koordinator der SPD-Bundestagsfraktion, Johann Saathoff, den in dem Gesetz festgelegten Vorrang für die Erdverkabelung bei der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) als Beitrag zur Akzeptanz des notwendigen Baus neuer Stromtrassen. Laut Saathoff werden die geplanten großen Nord-Süd-Trassen wie SuedLink und Süd-Ost-Passage damit zu 80 bis 90 % unterirdisch verlegt.


Der Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion für Energiewirtschaft, Oliver Krischer, kritisierte den generellen Vorrang für die Erdverkabelung bei Gleichstromleitungen. Seiner Einschätzung nach wird dies zu Konflikten mit der Landwirtschaft und dem Naturschutz führen.


Kritik an der Bundestagsentscheidung übte auch der Deutsche Bauernverband (DBV). Die Energiewende werde nun „zulasten der Nutzer von land- und forstwirtschaftlichen Flächen“ erfolgen. Der Vorrang der Erdverkabelung widerspricht laut Bauernverband in vielen Fällen dem Grundsatz der Minimierung von Eingriffen in Landwirtschaft, Boden und Naturhaushalt. Zudem bemängelt der DBV, dass die Forderungen nach Entlastung bei den naturschutzrechtlichen Ausgleichsmaßnahmen und einer Neujustierung der Entschädigungsgrundsätze nicht berücksichtigt worden seien. Die umfangreichere Flächeninanspruchnahme bei Erdverkabelung dürfe zudem nicht durch zusätzliche Flächeninanspruchnahmen für naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahmen verschärft werden. Eine Änderung der Kompensationsregelungen sei daher dringend geboten, mahnte der Bauernverband.

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