Steuer auf Pflanzenschutzmittel wäre unsinnig

12.10.2017

© Sabine Rübensaat

Berlin. Eine Steuer auf Pflanzenschutzmittel würde die Ziele ihrer politischen Befürworter in weiten Teilen konterkarieren. Zu diesem Schluss kommt der Göttinger Agrar­ökonom Prof. Dr. Oliver Mußhoff nach Analyse der Studie „Einführung einer Abgabe auf Pflanzenschutzmittel in Deutschland“ des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig.


Wie Mußhoff auf dem Handelsforum des Industrieverbandes ­Agrar ausführte, bestünde die Konsequenz einer solchen Abgabe in einer Ausweitung des Maisanbaus und einem Erlösrückgang im Ökolandbau. Der Forscher begründete dies mit dem geringen Bedarf an Pflanzenschutzmitteln beim Anbau von Silo- und Körnermais. Diese Kulturen würden begünstigt – Kartoffeln, Raps oder Weizen dagegen benachteiligt.


Der Druck auf die Ökobauern würde vor allem dann zunehmen, wenn viele Betriebe wegen der Steuer umstellen würden. Das steigende Angebot an Ökoprodukten sorgte dann für sinkende Preise; gleichzeitig müsste der Etat für Ökoprämien auf mehr Bauern verteilt werden, so Mußhoff. Bereits Anfang des Jahres hatte er auf methodische Mängel der UFZ-Studie hingewiesen. Nun errechnete er die Auswirkungen einer Pflanzenschutzmittelsteuer und fand dabei starke Abweichungen gegenüber den Berechnungen der Helmholtz-Forscher.


Diese gingen von einem jährlichen Steueraufkommen von 1 Mrd. € aus; Mußhoff zufolge entfällt diese Summe allein auf die Agrarbranche. Die sektoralen Einkommensverluste gingen jedoch mit 1,8 Mrd. € deutlich über diese Steuerlast hinaus. Die einzelbetrieblichen Gewinnrückgänge werden sich den Berechnungen Mußhoffs zufolge selbst unter günstigen Standortbedingungen auf 36 % belaufen; auf ertragsschwachen Standorten könnte die Rentabilität sogar negativ werden. Dagegen hatten die Leipziger Forscher die Belastungen auf 21 bis maximal 45 % des Gewinns geschätzt. 

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr