Stallpflicht lockern?

09.02.2017

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Im Bundesgebiet hat es in der vergangenen Woche in mehreren Bundesländern neue Geflügelpestausbrüche in Nutztierhaltungen gegeben; betroffen waren unter anderem ein Großbetrieb in Mecklenburg-Vorpommern und erstmals ein Bestand in Sachsen. In vielen Ländern und Kreisen gilt aufgrund des Seuchengeschehens weiterhin die Stallpflicht; in Thüringen wurde sie landesweit eingeführt. Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen haben dagegen Lockerungen angeordnet. In den Bundesländern Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern war das Aufstallgebot zuerst erlassen worden, nach Ablauf der Zwölfwochenfrist müssen nun Freilandeier als Bodenhaltungsware vermarktet werden, wodurch die Erzeuger weitere wirtschaftliche Einbußen zu erwarten haben.


Den gravierendsten Ausbruch der hochpathogenen Geflügelpest vom Subtyp H5N8 gab es in der vergangenen Woche in Mecklenburg-Vorpommern auf einem Legehennenbetrieb in Schwanheide im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Dort mussten rund 106 000 Hennen getötet werden; es war die bisher umfangreichste Bestandskeulung in diesem Bundesland. Den ersten Geflügelpestfall in einer Nutzgeflügelhaltung erlebte vergangene Woche Sachsen. Bei einem Putenmäster in der Region Rackwitz im Landkreis Nordsachsen wurden alle 6 500 Tiere getötet. In Brandenburg breitete sich die aviäre Influenza ebenfalls weiter aus. Bei einem Entenmäster in Neuhardenberg im Kreis Märkisch-Oderland wurden etwa 3 000 Pekingenten gekeult, nachdem Gleiches wenige Tage zuvor bereits bei einem Nachbarbetrieb mit 27 000 Tieren geschehen war. In Bayern war zudem der Wildpark Höllohe von einem H5N8-Ausbruch betroffen; dort mussten insgesamt 210 Tiere verschiedenster Arten wie Kanarienvögel, Enten, Wachteln, Fasane, Gänse, Pfauen und Störche am vergangenen Donnerstag getötet werden.


Der agrarpolitische Sprecher der Grünen/EFA im Europaparlament, Martin Häusling, forderte EU-Agrarkommissar Phil Hogan auf, die Vermarktungsrestriktionen für Freilandeier wegen der Aufstallpflichten zu lockern. Die Zwölfwochenfrist bedrohe die Existenz gerade jener Betriebe, die auf den von Verbrauchern gewollten Tierschutz setzten. Notwendig sei eine Rechtsauslegung, wie sie die deutschen Bundesländer für die Biohalter anwendeten, die ihr Biolabel trotz Stallpflicht nicht verlören, so Häusling. Grund sei, dass man die Haltungsbedingungen infolge der Vogelgrippe als Ausnahme und Fall von höherer Gewalt ansehe, womit kein beabsichtigter Betrug vorliege. Häusling wies darauf hin, dass im Gemüsesektor bei höherer Gewalt auf EU-Ebene gerne Ausnahmen erteilt würden. Dies müsse Hogan nun auch für die Freilandhalter ermöglichen.

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