SPD für Kappung und Markteingriffe

05.10.2017

© Archiv

Maria Noichl ist Europaabgeordnete und eine der wenigen Agrarpolitiker der SPD.

Berlin. Ihre Forderung nach einem Mehr an Markteingriffen untermauerte Maria Noichl mit dem Hinweis auf ein Marktversagen bei der Milch. Im Hinblick auf die künftige Ausgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) erklärte Noichl, Ziel müsse es sein, „dass wirklich gutes Geld für gute Waren bezahlt wird“. Es müsse für eine zukunftsfähige Landwirtschaft in Europa gesorgt werden. Die Böden müssten nachhaltiger bewirtschaftet und mehr Klimaschutz betrieben werden. Dazu gehöre aber natürlich auch, dass die Landwirte „gutes Geld“ verdienten und einen Nachfolger finden würden. Zu hinterfragen ist nach Ansicht der SPD-Politikerin, ob „wirklich der globale Markt unser Ziel ist oder es nicht eher der europäische Markt“. Die Landwirtschaft in der EU sollte weniger auf den Weltmarkt und mehr auf die regionalen Märkte ausgerichtet sein, so das Mitglied im Landwirtschaftsausschuss des Europaparlaments. Sie kritisierte den exportorientierten Ansatz von EU-Agrarkommissar Phil Hogan. Hier müsse es dringend zu einer Umkehr kommen, da die Landwirte in der EU kaum in der Lage seien, zu Weltmarktpreisen zu produzieren. Jedoch will die Bayerin diese Haltung nicht als generelle Ablehnung gegenüber einem Handel mit Drittländern verstehen. So befürwortet sie ausdrücklich die Ausfuhr europäischer Spezialitäten. Für „unsinnig“ hält sie indes umfassende Lieferungen in Länder der Dritten Welt, da diese den Aufbau der dortigen Landwirtschaft schädigten. Stattdessen wünscht sich Noichl einen stärkeren Fokus auf regionale Strukturen. Der Landwirt in der EU habe auch keinen Mehrwert davon, dass seine Produkte viele Kilometer hinter sich bringen würden.



Mit der nächsten GAP-Reform muss laut Noichl zudem die Akzeptanz der Landwirtschaft in der Gesellschaft verbessert werden. Dies könne etwa durch die Förderung öffentlicher Leistungen, wie dem Landschaftsbild oder der Biodiversität, die der Landwirt erbringe, gelingen. Bei einem solchen Mehrwert werde jeder akzeptieren, dass dafür Steuergelder gewährt würden, erklärte die SPD-Agrarpolitikerin. Zudem plädiert sie für eine Förderung der ersten Hektare. Da dies allerdings bei einem zunehmend knappen Agrarbudget finanziert werden müsse, könne dies nur gelingen, wenn nach oben hin eine Kappung der Direktzahlungen eingeführt werde. „Die Zahlung rein nach der Fläche hat sich überlebt“, so Noichl. Eine Kürzung der Flächenprämien würde nach ihrer Einschätzung auch die zunehmende Landkonzentration in Europa bremsen. Eine lineare Flächenförderung wie bisher sei dagegen „der Brandbeschleuniger auf dem Bodenmarkt“.

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr