Sorgenkind Bodenmarkt

18.11.2014

© Sabine Rübensaat

Sachsen-Anhalts Agrarminister Dr. Hermann Onko Aeikens fordert eine besseren Regulierung des landwirtschaftlichen Bodenmarktes.

Zum Schutz bestehender Unternehmensstrukturen im Agrarbereich sollte der Einfluss außerlandwirtschaftlicher Kapitalgeber Regeln unterliegen; mit dem Einsatz neuer Instrumente dürfen jedoch keine neuen Probleme geschaffen werden. Das ist bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen des diesjährigen Eliteforums der Deutschen Kreditbank (DKB) deutlich geworden, das vergangene Woche im brandenburgischen Liebenberg stattfand.

 

Sachsen-Anhalts Agrarminister Dr. Hermann Onko Aeikens kritisierte dabei die geringe Transparenz, die heute bei Veränderungen der Eigentumsstrukturen im Agrarbereich herrsche. Das gelte vor allem für die Übertragung ganzer Betriebe oder Betriebsteile. Mit Blick auf das Engagement agrarferner Investoren bekräftigte er seine Forderung nach einer besseren Regulierung des landwirtschaftlichen Bodenmarktes und einer Stärkung der Landgesellschaften, die in Zukunft nicht nur einzelne Ackerflächen, sondern ganze Betriebe aufkaufen und sichern können sollten.

 

Hinsichtlich dieses Vorschlags trat der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Bernhard Krüsken, symbolisch auf die Bremse. Ein solches Verfahren bringe die Flächen in den Besitz eines „politischen Eigentümers“, was die Gefahr in sich berge, dass dies je nach politischer Ausrichtung der Landesregierung nicht nur zugunsten der Landwirtschaft, sondern auch für Naturschutz- oder Ausgleichsflächen genutzt wird. Höhere Kompetenzen für die Landgesellschaften müssten daher von einer klaren politischen Agenda zum Schutz der regionalen Agrarstrukturen begleitet werden. Übereinstimmend mit Aeikens plädierte Krüsken hier für die Schaffung eines agrarstrukturellen Leitbildes, wobei er deutlich machte, dass dies nichts mit der Unternehmensgröße bzw. den Betriebs- und Rechtsformen zu tun habe. Viel wichtiger sei, dass die Definition die Kriterien Orts- und Flächenbindung, unternehmerische Ausrichtung, Selbstbestimmung und langfristige Orientierung umfasst.

 

Nach Einschätzung des Direktors des Leibniz-Instituts für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) in Halle, Prof. Alfons Balmann, dürfte der Ausschluss einer bestimmten Bietergruppe bei Bodenkäufen jedoch mit großen rechtlichen und fachlichen Problemen behaftet sein. So könne ein „unerwünschter“ Investor kaum rechtssicher von „erwünschten“ Bietern unterschieden werden. Hinzu komme der Umstand, dass der Erhalt der Wertschöpfung in der Region auch so nur begrenzt gelingt: Bereits bei ganz normalen Kreditgeschäften, so Balmann, fließe ein Teil der erwirtschafteten Gewinne an die Bank und damit aus der Region ab. Ungeachtet dessen bleibe die Landwirtschaft auf Mittel von außen angewiesen.

 

Deshalb und wegen niedriger Zinsen werde Flächenerwerb auch in den kommenden Jahren ein interessantes Geschäft bleiben, vermutete der Bereichsleiter „Fördergeschäft“ der Landwirtschaftlichen Rentenbank, Dr. Christian Bock. Die Europäische Zentralbank (EZB) werde die Leitzinsen in Europa noch lange sehr niedrig halten, sagte er voraus. Entsprechend hoch werde die Nachfrage am landwirtschaftlichen Bodenmarkt bleiben.

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr