Skandal um mit Fipronil belastete Eier

16.08.2017

© Sabine Rübensaat

Laut Angaben der EU-Kommission wurden verdächtige Chargen bis Ende vergangener Woche in 15 EU-Mitgliedsländern sowie der Schweiz und Hongkong gefunden. Im Mittelpunkt des Skandals standen aber weiterhin Belgien und die Niederlande. Zwischenzeitlich kam es im Zuge der gemeinsamen Ermittlungen der beiden Länder zu Durchsuchungen und Verhaftungen. Dabei wurden nach Behördenangaben zwei Manager des niederländischen Unternehmens ChickFriend festgenommen, die im Verdacht stehen, das Insektizid widerrechtlich bei der Reinigung von Ställen eingesetzt zu haben.

 

Behörden mitschuldig


Der belgische Landwirtschaftsminister Denis Ducarme hatte den niederländischen Behörden im Fipronil-Skandal zuvor zumindest eine Teilschuld an den Vorfällen zugewiesen. Er warf der niederländischen Lebensmittelüberwachung am Mittwoch vergangener Woche im belgischen Parlament vor, bereits im Spätherbst 2016 vom Einsatz fipronilhaltiger Mittel in Geflügelställen gewusst zu haben. Nach seinen Angaben hat das belgische Amt für Lebensmittelsicherheit jedoch erst am 2. Juni 2017 Kenntnis von Fipronil-Rückständen in Eiern inländischer Betriebe erhalten.


Die niederländische Behörde für Lebensmittelsicherheit (NVWA) hatte tatsächlich bereits im November 2016 einen anonymen Hinweis über den möglicherweise illegalen Einsatz von Bioziden mit Fipronil bei der Stallreinigung zur Bekämpfung der Roten Vogelmilbe erhalten. Das haben die niederländische Gesundheitsministerin Edith Schippers und der für Landwirtschaft im Haager Wirtschaftsministerium verantwortliche Staatssekretär Martijn van Dam am Donnerstag vergangener Woche in einem Brief an die Zweite Kammer des niederländischen Parlaments klargemacht. Damals sei auf Basis der Einschätzungen kompetenter Institutionen entschieden worden, dass sich aus dem Hinweis keine akute Gefahr für die Volksgesundheit ergebe.

 

Fipronil nur mäßig giftig


Schippers und van Dam führen als Argument für die Entscheidung auch an, dass die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Fipronil als für Menschen nur mäßig giftigen Stoff einstuften. Außerdem habe es keine Hinweise gegeben, dass Fipronil in die Lebensmittelkette oder gar in Eier gelangt sei. Auch über den Umfang des widerrechtlichen Einsatzes des Insektizids hätten keine Informationen vorgelegen. Angesichts der großen Anzahl an Meldungen, die bei der NVWA jährlich eingingen, müsse aus Kosten- und Kapazitätsgründen über Folgeuntersuchungen risikobasiert entschieden werden, betonten Schippers und van Dam. Aus diesen Gründen habe die NVWA damals keinen Anlass gesehen, Politiker zu informieren. Allerdings sei in der ersten Hälfte dieses Jahres genügend Material gesammelt worden, um eine strafrechtliche Untersuchung vorzubereiten. Diese sei nach der betreffenden Anfrage der belgischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (FAVV) bei der NVWA vom 19. Juni in Gang gesetzt worden.

 

Kommission spät im Bild


Die EU-Kommission hat im Zusammenhang mit dem Fipronil-Skandal Vorwürfe zurückgewiesen, auch sie habe zeitiger als bisher bekannt von den Vorfällen im Geflügelsektor erfahren. Der Sprecher von EU-Agrarkommissar Phil Hogan, Daniel Rosario, stellte am vergangenen Donnerstag in Brüssel klar, dass die zuerst erfolgte Anfrage Belgiens an die Niederlande am 6. Juli über das von der EU betreute Verwaltungshilfe- und Kooperationssystem (AAC) zur Bekämpfung von Lebensmittelbetrug erfolgt sei, das in erster Linie dem Austausch zwischen zwei EU-Mitgliedstaaten diene. Dieser Austausch werde im Regelfall nicht durch die EU-Kommission überwacht. Erst am 20. Juli sei eine weitere Anfrage über das EU-Schnellwarnsystem für Lebens- und Futtermittel (RASFF) eingegangen, bei dem die Kommission informiert worden sei.


Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt drängt mit Blick auf die schleppende Informationsweitergabe im Fipronil-Skandal auf eine schnellere Datenweitergabe. Die Ursache der Fipronil-Belastung ist nach seiner Einschätzung „kriminelle Energie“. Er begrüßte daher, dass die Staatsanwaltschaften in den Niederlanden, in Belgien und in Deutschland Ermittlungen begonnen hätten.

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