Skandal! Skandal!

06.03.2013

Montage © Annika Schäfer

 

 

Berlin. Zwei Wochen, nachdem Behörden erstmals eine Lieferung falsch deklarierter Lebensmittel mit Pferdefleisch nach Deutschland gemeldet hatten, haben die Kontrollbehörden bundesweit 1.323 Lebensmittelproben analysiert und ausgewertet. In 79 Fällen wurde in den Proben Pferde-DNA nachgewiesen; 30 Nachweise gab es in Nordrhein-Westfalen, weitere in Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg sowie Hamburg, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.

Im Sog dieser Prozesse wurden auch erste Schlussfolgerungen gezogen. So wird die Einführung einer verpflichtenden EU-Herkunftskennzeichnung von Fleisch in verarbeiteten Produkten immer wahrscheinlicher. Beim Agrarrat am 25. Februar in Brüssel erhielt Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner für diese Forderung jedenfalls die Unterstützung wichtiger EU-Mitgliedstaaten wie Frankreich und Großbritannien. Im Umweltausschuss des Europaparlaments wurden hingegen die Rufe nach schärferen Kontrollen lauter. Der Ausschussvorsitzende Matthias Groote sagte, man müsse jetzt schauen, wie die Rückverfolgbarkeit verbessert und die Abschreckung erhöht werden könnten.

In den Auseinandersetzungen um Manipulationen bei Bioeiern ist mittlerweile von Millionen Eiern die Rede, die fälschlicherweise als Bio- oder Freilandeier vermarktet sein sollen, da die liefernden Geflügelbetriebe mehr Hennen gehalten hätten, als es ihnen nach den Bio-Richtlinien erlaubt gewesen sei. Laut „Spiegel“ wird gegen rund 150 niedersächsische Höfe ermittelt. Dies wurde von der Staatsanwaltschaft Oldenburg bestätigt. Weitere 50 Verfahren seien an Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen sowie an Belgien und die Niederlande abgegeben worden. Ob und wann Anklage erhoben wird, sei noch offen. Die Ermittlungen liefen bereits seit Herbst 2011; es seien Hunderte von Durchsuchungen durchgeführt worden.

Bisher jüngster Fall ist die Feststellung von Aflatoxinbelastungen in Futtermitteln. Insgesamt 10.000 t mit dem Schimmelpilzgift Aflatoxin B1 ernsthaft belasteter Futtermais aus Serbien sind in Niedersachsen von zusammen 13 Futtermittelherstellern zu Mischfuttermitteln für Rinder, Schweine und Geflügel verarbeitet und an landwirtschaftliche Betriebe in mehreren Bundesländern verkauft, wobei der regionale Schwerpunkt in Niedersachsen lag. Dort hatten insgesamt 3.560 Höfe, darunter 838 Milchviehhalter, das belastete Futter bezogen. Die zunächst weiträumig ausgesprochenen Liefersperren wurden bis Redaktionsschluss jedoch größtenteils wieder aufgehoben.

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