Sauenhalter in Aufregung

16.08.2018

© Sabine Rübensaat

Angesichts der Tatsache, dass das geplante Ende der betäubungslosen Ferkelkastration am 1. Januar 2019 immer näher rückt und praxistaugiche Alternativregelungen weiter fehlen, wird immer lauter über eine Verlängerung der bisherigen Regelung diskutiert. Nachdem das bayerische Kabinett Ende Juli den Beschluss gefasst hat, sich im Bundesrat für eine Fristverlängerung einzusetzen, pflichten immer mehr Länder bei. Laut Medienberichten sind Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Baden-Württemberg bereits im Boot, und es fehlten noch drei Stimmen zur absoluten Mehrheit im Bundesrat.

 

Auch auf Seiten der Verbände wird die Diskussion schärfer. Der Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV), Franz-Josef Holzenkamp, warnte am Mittwoch vergangener Woche in Berlin, dass „als schlechtestes Ergebnis“ der derzeitige Status beibehalten werden müsse, wenn die Beteiligten nicht zeitnah zu einer praktikablen Lösung kämen. Holzenkamp plädierte erneut für den „vierten Weg“, also die lokale Betäubung der Tiere durch eigens geschulte Landwirte, wie sie in Skandinavien üblich ist. 

 

Erwartungsgemäß ganz anders positionierte sich der Deutsche Tierschutzbund (DTB). Für ihn ist die Kastration der Ferkel durch den Tierhalter unter lokaler Betäubung keine Lösung. Verschiedene Studien belegen den Tierschützern zufolge, dass der Schmerz während des Eingriffs nicht angemessen ausgeschaltet wird. Tierschutzkonform sind nach Ansicht des Verbandes nur die Mast von Ebern, die Immunokastration sowie chirurgische Eingriffe unter Vollnarkose und Schmerzmedikation. Auf diese drei Möglichkeiten müsse sich die Branche endlich vorbereiten. Fünf Jahre habe sie dafür Zeit gehabt. Es sei „schlichtweg absurd“, sich nun darauf zu berufen, dass die Zeit für eine Umstellung zu knapp gewesen sei. 

 

Ein Plädoyer für die Immunokastration kam in der vergangenen Woche von der Tierärztlichen Vereinigung für den Tierschutz (TVT). Untersuchungen belegten, dass diese für die Verbraucher völlig ungefährlich sei, so die Vereinigung in einem offenen Brief an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner. Zudem gebe es keine Anhaltspunkte dafür, dass die Verbraucher das Fleisch von geimpften Tieren nicht akzeptierten. Der „vierte Weg“ hingegen sei wegen mangelnder Schmerzausschaltung abzulehnen. Die TVT warnte Klöckner davor, dass Tierrechtler bei einer Nutzung des „vierten Wegs“ sicher nach kurzer Zeit Bilder von fragwürdigen Kastrationen liefern würden. Das werde rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen und zu einem weiteren Imageverlust des Schweinefleischs führen. Vor diesem Hintergrund sollte die Ministerin jetzt die Rahmenbedingungen für die Marktakzeptanz der Impfung schaffen. 

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