Runder Tisch fürs Schwein

05.09.2018

© Sabine Rübensaat

Ohne konkrete Ergebnisse blieb der Runde Tisch zur Zukunft der Sauenhaltung in Deutschland, zu dem Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner Vertreter aus Politik und Wirtschaft nach Bonn eingeladen hatte. „Wir wollen, dass auch in Zukunft Ferkel in Deutschland produziert werden. Dafür brauchen wir gemeinsame und tragfähige Lösungen“, erklärte die Ministerin nach dem Gespräch lediglich bereits bekannte Sachverhalte. Das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration ab 2019 und die nach einem Gerichtsurteil erforderliche Neuregelung der Kastenstandhaltung seien Herausforderungen, die unter den Aspekten Wirtschaftlichkeit, Tierschutz und gesellschaftliche Akzeptanz „nur gemeinsam gemeistert werden“ können. Eine Fristverlängerung, wie sie von einigen Bundesländern angestrebt werde, könnte genutzt werden, um Alternativen zu entwickeln. 

 

Zum Thema Kastenstandhaltung von Sauen erklärte die Ministerin, dass sie einen Verordnungsvorschlag vorlegen werde, der eine Neuregelung in Bezug auf das Deckzentrum vorsehe, wie es auch eine ganz überwiegende Zahl der Bundesländer wünsche. Auch über den Abferkelbereich denkt Klöckner eigenen Angaben zufolge nach. Darüber hinaus seien Erleichterungen im Baurecht für Umbaumaßnahmen zu prüfen, die dem Tierwohl dienen und nicht zu einer Erhöhung der Tierzahl führen.  

 

Den Runden Tisch zur Schweinehaltung haben zahlreiche Akteure der deutschen Agrarpolitik verfolgt. Nach Ansicht der stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Gitta Connemann, hat die Runde gezeigt, dass „Frustration und Verunsicherung der Sauenhalter und Ferkelerzeuger in Deutschland groß sind“. Bei Ferkelkastration und Kastenstand müssten Lösungen gefunden werden, die von den Betrieben in der Praxis umgesetzt werden können. Ansonsten drohe ein Strukturbruch, der die Erzeugung ins Ausland verlagert. „Der höchste Verbraucher- und Tierschutz ist aber nur bei einer Produktion in deutschen Landen gewährleistet“, betonte Connemann. Der Agrarsprecher der CDU-Bundestagsfraktion, Albert Stegemann, verwies auf das enge Zeitfenster bis zum Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration Anfang 2019. Die drei verfügbaren Verfahren Impfung, Ebermast und Inhalationsnarkose seien zum Teil mit erheblichen Nachteilen verbunden beziehungsweise nicht marktgängig. „Als Unionsfraktion befürworten wir daher die Verwendung eines Lokalanästhetikums durch den Tierhalter selbst“, erklärte Stegemann. Notfalls sei eine angemessene Verlängerung der Übergangsfrist notwendig.

 

Die Tierschutzbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Susanne Mittag, machte hingegen deutlich, dass die von Bayern angestrebte Übergangsfrist um weitere fünf Jahre nicht infrage komme. „Man hatte bereits sechs Jahre Zeit. Die betäubungslose Kastration zu verlängern, ist einfach absurd und nicht zu vermitteln“, erklärte Mittag. Bei der Ferkelkastration plädiert die SPD-Politikerin für einen „praxistauglichen und rechtssicheren“ Weg. Beim Thema Kastenstand fordert sie, die Fixierung auf ein notwendiges Minimum zu reduzieren und in absehbarer Zeit keine Sauen mehr in Kastenständen unterzubringen. Über angemessene Übergangsfristen könne man jedoch sprechen. 

 

Die FDP-Bundestagsabgeordnete Carina Konrad monierte, dass seit Monaten Entscheidungen „auf Eis liegen“. Dabei drohe ein Strukturwandel von bisher nicht bekanntem Ausmaß. Das sieht der Agrarsprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Friedrich Ostendorff, ähnlich. Er kritisierte das Ergebnis des Runden Tisches mit den Worten: „Warme Worte reichen nicht aus. Die Zeit läuft gegen die Sauenhalter.“ Er warf Klöckner und ihren Amtsvorgängern in punkto Ferkelkas­tration vor, das Wissen und das Verständnis für bestehende und funktionierende Alternativmethoden nicht verbreitet zu haben. Das Grummeln der Fleischbranche, die diese Lösungen nicht wolle, wiege anscheinend mehr als das Votum von 80 Millionen Verbrauchern für mehr Tierschutz.  

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