Rentenbank: Ausbildung und Arbeitsmärkte

14.06.2017

© Thomas Tanneberger

Die technische Entwicklung, aber auch demografische und ökonomische Herausforderungen werden den landwirtschaftlichen Arbeitsmarkt in den kommenden Jahren erheblich prägen. Das ist beim Symposium der Edmund-Rehwinkel-Stiftung der Landwirtschaftlichen Rentenbank deutlich geworden, bei dem namhafte Wissenschaftler in Berlin die Ergebnisse ihrer von der Stiftung geförderten Studien zu Arbeitsmarkt, Ausbildung und Migration in der Landwirtschaft präsentiert haben. Bei der Tagung stellte der Sprecher des Vorstands der Rentenbank und Vorstandsvorsitzende der Edmund-Rehwinkel-Stiftung, Dr. Horst Reinhardt, fest, dass der technische Fortschritt den Bedarf an höher qualifizierten Arbeitskräften ansteigen lasse. Gleichzeitig biete die Branche aber auch weniger qualifizierten Arbeitskräften und Migranten Beschäftigungschancen.


Dass landwirtschaftliche Arbeitgeber Migranten gegenüber aufgeschlossen sind, zeigen gleich zwei Studien. Eine Umfrage des Teams um Prof. Ludwig Theuvsen von der Universität Göttingen zeigte, dass viele Unternehmer bereits gute Erfahrungen mit ausländischen Mitarbeitern gemacht haben und auch Migranten auf ihren Betrieben beschäftigen. Laut Theuvsen sind zwei von drei Arbeitgebern dabei „zufrieden“ oder sogar „sehr zufrieden“ mit den Leistungen der Migranten.


Eine zweite, nicht repräsentative Befragung von Dr. Matthias Heyder von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und Prof. Dirk Plickat von der Ostfalia-Hochschule Wolfenbüttel wies darauf hin, dass viele Unternehmer bereit sind, Migranten als Mitarbeiter einzustellen. Dafür würden aber ein klarer Rechtsrahmen und mehr Unterstützung beim Erwerb von Sprachkenntnissen vorausgesetzt.


In Bezug auf den befürchteten Nachwuchsmangel bei Betriebsleitern konnten Prof. Stephan von Cramon-Taubadel und Dr. Carsten Holst von der Universität Göttingen leichte Entwarnung geben. Laut ihrer Untersuchung ist in absehbarer Zeit nicht damit zu rechnen, dass der Agrarbranche der Betriebsleiternachwuchs ausgehen wird. Laut Holst ist davon auszugehen, dass künftig jährlich rund 3 500 Nachrücker für altersbedingt ausscheidende Betriebsleiter benötigt werden. Den Bedarf an höher qualifizierten Nachrückern beziffern die Göttinger Forscher auf 2 650 Fachkräfte pro Jahr. Da jährlich etwa 4 000 Absolventen mit Agrarausbildung auf den Arbeitsmarkt gelangten, sei der Bedarf theoretisch gedeckt, so Holst. Allerdings müsse auch bedacht werden, dass nicht jeder Berufsanwärter nach dem Studium auch eine Betriebsleitertätigkeit anstrebe.

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