Protest wird lauter

19.08.2015

© Montage

Milchbauern aus ganz Europa wollen beim nächsten EU-Agrarministerrat gegen die derzeit schlechten Milchpreise protestieren. Wie das European Milk Board (EMB) vergangene Woche mitteilte, ist eine große Kundgebung am 7. September in Brüssel vor dem Gebäude geplant, in dem die Agrarminister tagen. Mit Demonstrationszügen und Traktoren wolle man den Ministern „nachhaltig die miserablen Resultate ihrer Milchpolitik vor Augen führen“, kündigte EMB-Präsident Romuald Schaber an. Landwirten quer durch Europa werde brutal die Existenzgrundlage entzogen. So würden aus vielen Ländern bereits Erzeugerpreise gemeldet, die unter 25 ct/l Milch lägen, und das bei Produktionskosten von mehr als 40 ct/l. Dass auf dem Milchmarkt alles total schiefläuft, hätten nun auch die Politiker begriffen, erklärte der EMB-Präsident. Damit es bei der Ratssitzung aber nicht wieder nur beim Diskutieren bleibt, sondern endlich auch Lösungen beschlossen werden, müssten sich die europäischen Milcherzeuger in Brüssel Gehör verschaffen. Je mehr Milchbauern vor Ort seien, desto deutlicher werde, dass sie zusammenstünden und dass die Politik handeln müsse, so Schaber.


Unterdessen zeigt sich der Genossenschaftsverband sehr bemüht, ein Missverständnis mit dem Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) auszuräumen. Dessen Vertreter hatten am 12. August vergeblich versucht, mit Verantwortlichen der Geschäftsstelle und der Akademie des Verbandes in Rendsburg zu sprechen. Wie der Sprecher des Genossenschaftsverbandes, Joachim Prahst, erklärte, habe man urlaubsbedingt auf den sehr kurzfristig vorgebrachten Gesprächswunsch nicht reagieren können. Dennoch sei der Genossenschaftsverband selbstverständlich zu einem konstruktiven Dialog mit den Milcherzeugern und anderen Branchenbeteiligten zur schwierigen Lage am Milchmarkt bereit, und ein Treffen mit dem BDM sei für September bereits verabredet.


Zudem beobachte der Genossenschaftsverband die Entwicklungen auf dem Milchmarkt schon seit Längerem mit Besorgnis, so Prahst weiter. Vor diesem Hintergrund habe sich der Verband gemeinsam mit dem Bauernverband Schleswig-Holstein und der Milcherzeugervereinigung Schleswig-Holstein (MEV) bereits am 1. Juni an den Kieler Landwirtschaftsminister Dr. Robert Habeck gewandt und in einer gemeinsamen Erklärung Maßnahmen für ein Sicherheitsnetz vorgeschlagen. So sollen die Interventionspreise moderat angehoben und eine betriebliche Förderung durch Liquiditätsdarlehen und Landesbürgschaften ermöglicht werden.


Zudem sprechen sich die Unterzeichner für die Abschaffung von Markthindernissen und verstärkte Exportbemühungen aus. Um das eigenverantwortliche Risikomanagement voranzubringen, müsste die Funktionsfähigkeit der Warenterminbörsen gefördert werden. Außerdem sollten die Milchbauern durch Einführung einer steuerlichen Rücklagemöglichkeit in guten Jahren zur Bildung eines finanziellen Polsters animiert werden, auf das in Krisenzeiten zurückgegriffen werden kann. Die vorgeschlagenen Maßnahmen würden, so die Verbände, zusätzliche Möglichkeiten für langfristig lebensfähige Milchviehbetriebe schaffen, ohne dabei die betriebsindividuellen Gestaltungs- und Handlungsfreiheiten des Einzelnen einzuengen.

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