Preise weiter oben?

05.11.2018

© Sabine Rübensaat

Für das Kalenderjahr 2018 kalkuliert der Milchindustrie-Verband e. V. (MIV) derzeit mit einem durchschnittlichen Milchpreis von etwa 34 ct/kg netto, bezogen auf einen Fettgehalt von 4,0 %. Das teilte der Vorsitzende Peter Stahl anlässlich der Jahrestagung des Verbandes in Berlin mit.

 

Möglich war dies, weil die Butterpreise überraschend fest waren. Zum weiteren Verlauf auf dem Milch- und Buttermarkt wagte er keine Prognose. Die Auswirkungen der Dürre des Sommers werden sich erst in den nächsten Monaten mit fortschreitender Winterfütterung der Kühe deutlicher abzeichnen. Deutschland wie auch die anderen Länder der EU werden aber aufgrund der hohen Milchanlieferung im ersten Halbjahr 2018 in der Summe leicht über den Vorjahreswerten 2017 liegen. Die Aussichten für die nächsten Monate sind jedoch geprägt von widersprüchlichen Rahmenbedingungen. So ging in weiten Teilen Deutschlands aufgrund der Dürre die Milchproduktion zurück. Doch nicht nur die Milchmenge sank, auch Eiweiß- und vor allem Fettgehalt lagen unter den Vorjahreswerten. Gleichzeitig stieg die Nachfrage nach Käse (+1,5 %) und insbesondere nach fetthaltigeren Käsesorten, sodass hier bislang viel Milch verwendet wurde.

Wie Stahl weiter mitteilte, haben die guten Erlöse für Milchfett in Produkten wie Käse und vor allem Butter die Milchauszahlungspreise in den letzten Monaten gestützt und den Landwirten einen besseren Milchpreis gegenüber den Vormonaten ermöglicht. Steigende Milchpreise sind für die Landwirte gerade bei der zum Teil unzureichenden Futterversorgung und gestiegenen Kosten wichtig. Grundlage für die weitere Milchpreisentwicklung werden die aktuell auszuhandelnden Verträge mit dem Lebensmitteleinzelhandel sein. Hier kann der Handel ein Signal zur Stärkung der heimischen Milchwirtschaft setzen. 

 

Insgesamt liegt die Milchanlieferung in Deutschland derzeit 0,7 % unter dem Vorjahr. Auch für die nächsten Monate wird in Europa mit einer nur gedämpften Milchproduktion gerechnet, obwohl ­Irland seinen Rückstand aus dem Frühjahr aufgeholt hat. Neuseeland ist sehr gut in die neue Saison gestartet, und auch in den USA wird mehr Milch erzeugt. „International steht ausreichend Rohstoff zur Verfügung, der Wettbewerb bei wichtigen Produkten wie Magermilchpulver und Käse wird weiter intensiv sein“, stellte Stahl in diesem Zusammenhang fest. Nach einem neuen EU-Ausfuhrrekord bei Magermilchpulver im Jahr 2017 bewegen sich die Absatzzahlen auch in diesem Jahr wieder auf einem hohen Niveau. Ebenso hat das Preisniveau seinen Tiefpunkt verlassen; frisches Magermilchpulver findet seinen Käufer zu einem höheren Preis, und die Mengen aus der öffentlichen Lagerhaltung fließen langsam, aber kontinuierlich ab.

 

Abschließend äußerte sich Stahl noch zur Agrarpolitik. So wird auf EU-Ebene in Brüssel die Marktordnung für alle europäischen landwirtschaftlichen Erzeugnisse überarbeitet, und man versucht, die Auswirkungen des Brexits abzuschätzen. Dieser wird heftige Folgen für das Marktgeschehen auch bei Milcherzeugnissen haben. Was den neugestalteten Artikel 148 der Gemeinsamen Marktorganisation in den EU-Mitgliedstaaten betrifft, so sieht er die Option vor, die Vertragsfreiheit zwischen dem Milcherzeuger und seiner Molkerei einzuschränken.

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