Pralle Hoffnung?

07.04.2016

Melkstand © Sabine Rübensaat

Ungeachtet der aktuell sehr schwierigen Marktlage schätzt das Thünen-Institut (TI) die Perspektiven der Milcherzeuger positiv ein. Für Milchprodukte bestimmten langfristig die günstigen Absatzaussichten auf den globalen Märkten die Entwicklung, heißt es in den Projektionen der „Thünen-Baseline 2015–2025“, die die Forschungseinrichtung jetzt vorgelegt hat. Darin gehen die Wissenschaftler für das Jahr 2025 von einem mittleren Milcherzeugerpreis in Deutschland von fast 38 ct/kg aus. Steigende Erzeugerpreise und eine Zunahme der durchschnittlichen ­betrieblichen Milcherzeugung werden sich in der Einkommensentwicklung der Milchviehbetriebe niederschlagen. Deren Einkommen werde bis 2025 im Schnitt um 35 % gegenüber dem Basisjahrzeitraum ansteigen und damit höher als in anderen Betriebsformen liegen. Die derzeitige Misere am Milchmarkt ist für das Thünen-Institut lediglich temporär. In ihrem Bericht sprechen die Wissenschaftler von einer „momentanen Konsolidierungsphase nach Auslaufen der Quotenregelung“. Langfristig kämen gute Aussichten auf den internationalen Märkten zum Tragen.


Auch In Deutschland wird laut Thünen-Bericht die steigende Nachfrage nach Käse und Milchpulver in den nächsten Jahren anhalten – nur bei Trinkmilch und  Butter sieht man Stagnation oder Rückgang. Insgesamt erwartet die Ressortforschungseinrichtung eine Ausdehnung der Milcherzeugung hierzulande in den nächsten zehn Jahren auf rund 37 Mio. t. Dies würde gegenüber dem Referenzzeitraum 2009 bis 2011 einen Zuwachs um nahezu ein Viertel bedeuten. Fortsetzen werde sich dabei die regionale Konzentration der Milchproduktion. Überdurchschnittlich wachsen werde die Milchproduktion in den Küstenregionen, am Niederrhein, in einigen Mittelgebirgslagen sowie im Allgäu und im Voralpenland.


Ebenso wie die Thünen-Wissenschaftler beurteilt auch die Bundesregierung die mittel- und langfristigen Aussichten am Milchmarkt weiterhin günstig. Diese Aussichten seien nahezu unverändert und beinhalteten moderat steigende Erzeugerpreise, so der Parlamentarische Staatssekretär vom Bundeslandwirtschaftsministerium, Peter Bleser, in seiner Antwort auf eine Anfrage des Agrarsprechers der Grünen-Bundestagsfraktion, Friedrich Ostendorff.


Der warf prompt dem Ministerium und dessen Chef „Wirklichkeitsferne“ und Untätigkeit angesichts der Krise vor. „Wer sich in der aktuellen Situation allen Ernstes erdreistet, auf 2025 zu verweisen, dem fehlt jeglicher Kontakt zur Realität und den Betrieben“, so Ostendorff in seiner Reaktion auf die Regierungsantwort. Er warf dem Bundeslandwirtschaftsminister vor, er weigere sich, die Ursachen der Krise anzuerkennen. Statt mit seinen europäischen Amtskollegen an einem Strang zu ziehen, blockiere er ein gemeinsames Vorgehen in Brüssel, kritisierte der Grünen-Politiker.

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