Pflanzenschutz nicht verteufeln

19.05.2016

© Werkbild

Für eine sachliche und praxisnahe Bewertung der Risiken von Pflanzenschutzmitteln und gegen eine politische Instrumentalisierung ihrer Zulassung hat sich der Vorsitzende des Fachausschusses Getreide im Deutschen Bauernverband (DBV), Wolfgang Vogel, am 9. Mai auf der Ackerbautagung seines Verbandes in Berlin ausgesprochen. Bei der Entscheidung über die Zukunft solcher Präparate wie Glyphosat sei man nicht gut beraten, agrar- und umweltpolitische Ziele miteinander zu vermischen.

 

Wissenschaft hören!

Vogel wies darauf hin, dass bei der Entwicklung und Anwendung von Pflanzenschutzwirkstoffen stets der größtmögliche Schutz für Mensch, Tier und Umwelt im Vordergrund stehe. Der Bauernverband verlange deshalb, dass die Zulassung auch künftig nach wissenschaftlichen Kriterien und nicht „nach Gefühl“ erfolgt. Notwendig seien auch eine EU-weite Harmonisierung der Mittelzulassung und Anwendungsrichtlinien. Länderspezifische Sonderwege sieht Vogel deshalb kritisch. Zwar stünden die Bauern zum Prinzip der Risikominimierung; eine pauschale Mengenreduzierung sei jedoch aus Sicht der Praktiker abzulehnen. „Wer im Ackerbau erfolgreich sein will, muss die Ackerkulturen pflanzengerecht düngen und schützen dürfen“, betonte Vogel. Die derzeitige öffentliche und politische Diskussion zum Thema Pflanzenschutz verhindere jedoch eine Weiterentwicklung der Anbausysteme.

 

Exaktheit ist die Regel

Der Umweltbeauftragte des Deutschen Bauernverbands, Eberhard Hartelt, hob in diesem Zusammenhang den hohen Ausbildungsstand der Praktiker hervor. Die sachgemäße Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln sei die Regel, nicht die Ausnahme.

Hartelt warnte in Bezug auf die Entwicklung der Artenvielfalt vor einer einseitigen Schuldzuweisung zulasten der Landwirtschaft. Der Rückgang bestimmter Arten resultiere nicht zuletzt aus der immer weiter fortschreitenden Urbanisierung, stellte der BWV-Präsident fest. Frontalangriffe gegen die Bauern oder pauschale Forderungen wie ein umfassender Umstieg auf den Ökolandbau seien deshalb nicht gerechtfertigt. Notwendig seien vielmehr ein Ende der polemischen Gesellschaftsdebatte und die Angleichung des europäischen Pflanzenschutzreglements, forderte Hartelt.

Ungeachtet dieser Positionen monierte Dr. Jutta Klasen vom Umweltbundesamt (UBA), dass Landwirte und Industrie zwar regelmäßig den Nutzen von Pflanzenschutzmitteln zur Ernährungssicherung kommunizierten, gleichzeitig aber oft deren Kosten für die Natur und die Gesellschaft vernachlässigten. Dabei sei bekannt, dass auch zugelassene Mittel ein Risikopotenzial für die Umwelt mit sich brächten.

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