Offensive Nachhaltigkeit

31.05.2017

© Rübensaat

Die viel beachtete Initiative zur Rückgewinnung von Akzeptanz in der Bevölkerung war im November 2016 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt worden und wurde danach in den 19 Kreisverbänden und mehr als 500 Ortsverbänden intensiv und kontrovers diskutiert. Nach einigen Änderungen des Rohentwurfs ist laut Darstellung des WLV nun „ein ambitionierter Maßnahmenplan mit mehr als 30 Projekten in sechs Handlungsfeldern“ mit großer Mehrheit beschlossen worden. Dieser soll von den Bauern bis 2030 umgesetzt werden. „Wir wollen mehr wechselseitiges Verständnis zwischen den Bauernfamilien und der Gesellschaft“, erklärte WLV-Präsident Johannes Röring zu den Zielen der Offensive. Dabei seien manche Vorhaben durchaus ambitioniert. Kern der Initiative seien Leitprojekte, durch deren Umsetzung das Leben und Wirtschaften auf den Höfen in den kommenden Jahren sozial, wirtschaftlich und ökologisch noch nachhaltiger werden soll.

 

Es liegt an uns selbst


Der WLV-Vizepräsident und Vorsitzende der Arbeitsgruppe Offensive Nachhaltigkeit, Henner Braach, hob hervor, dass die Bauernfamilien zu Veränderungen bereit seien. „Wir stellen uns unserer besonderen Verantwortung für Boden, Wasser, Luft, Pflanzen und Tiere und sind gefordert, künftig auch Fehlverhalten in den eigenen Reihen konkreter zu benennen und abzustellen“, bekräftigte Braach. Es liege ganz entscheidend an den Landwirten selbst, ob es gelingt, verlorene Akzeptanz und das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen, viele Bauern wollten dies.

 

Sechs Bereiche


Die Offensive Nachhaltigkeit ist laut WLV inhaltlich und zeitlich als offener und dynamischer Prozess angelegt. Bis zum Jahr 2030 sollen Leitprojekte in den sechs Bereichen Schweine- und Geflügelhaltung, Rinderhaltung, Pflanzenbau und Umwelt, Soziales und Gesellschaft, Erneuerbare Energien sowie Perspektiven für Hofübernehmer/innen umgesetzt werden. Für deren Umsetzung würden in den kommenden Wochen Arbeitsgruppen in den Fachausschüssen des Verbandes gebildet und Konzepte abgestimmt.


Zu den Leitprojekten gehört laut WLV unter anderem, in der Schweinehaltung Schritt für Schritt auf das routinemäßige Kürzen der Schweineschwänze zu verzichten, die Gruppenhaltung von Sauen im Deckzentrum umzusetzen, den Einsatz von Medikamenten und insbesondere von Antibiotika auf das notwendige Maß zu reduzieren und einen Tiergesundheitsindex einzuführen.


In der Rinderhaltung strebt der Verband an, durch den Einsatz genetisch hornloser Tiere langfristig auf das Enthornen verzichten zu können. Zudem soll bis 2030 die Zahl der Kühe mit Weidegang um 20 % zunehmen, die ganzjährige Anbindehaltung nicht mehr praktiziert werden und das Schlachten tragender Rinder vermieden werden. Bei den Zuchtzielen strebt der WLV an, dass die Kriterien Langlebigkeit und Gesundheit ein stärkeres Gewicht erhalten. Der Landesbauernverband erwartet jedoch von der Gesellschaft und Politik, dass auch neue und moderne Ställe für mehr Tierwohl gebaut werden dürfen.


Im Bereich Pflanzenbau und Umwelt will der Landesbauernverband seine Mitglieder überzeugen, Wirtschaftsdünger bedarfsgerechter einzusetzen, um bis 2027 eine Trendumkehr bei der Nitratbelastung von Grundwasserkörpern zu erreichen. Zudem soll die Biodiversität durch die Schaffung zusätzlicher Nischen- und Rückzugsräume gefördert werden. Die Bodenfruchtbarkeit ist unter anderem durch Begrünungsmaßnahmen, die Vermeidung von Verdichtungen und vielfältigere Fruchtfolgen zu erhalten. Der integrierte Pflanzenschutz soll auf allen Höfen Praxis sein.

 

Auch Soziales im Blick


Im Themenfeld der sozialen Nachhaltigkeit möchte der WLV aktiv die Nachwuchsförderung im Verband und in den Betrieben unterstützen und dabei auch den Frauenanteil in seinen Gremien erhöhen. Zudem soll verstärkt auf die Einhaltung von Sozialstandards bei landwirtschaftlichen Arbeitskräften und deren Schulungen geachtet werden, um die Attraktivität der Arbeitsplätze zu erhalten. Eigentümergeführte Familienbetriebe sollen erhalten bleiben und der Flächenverbrauch gesenkt werden.

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