Ökoverordnung: Beinharte Novelle

03.04.2014

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Die Europäische Kommission hat ihren Entwurf zur neuen Ökoverordnung vorgelegt.

Die Europäische Kommission will die Anforderungen an die Bioproduktion konsequent verschärfen. Das geht aus Vorschlag zur Reform der EU-Ökoverordnung hervor. Insgesamt plant die Brüsseler Behörde, den Spielraum der Mitgliedstaaten bei der Auslegung der bisherigen Regeln einzuschränken. Nutztiere in ökologischer Landwirtschaft sollen künftig ausschließlich mit Biofutter gefüttert werden. Eine Beimischung von bis zu 5 % konventionellem Futter, um die Nährstoffversorgung der Tiere sicherzustellen, wäre danach ebenso nicht mehr möglich wie die Verwendung von synthetischen Aminosäuren.

Auch im Saatgutbereich will die Kommission mittelfristig einen Bioanteil von 100 % erreichen; hier ist allerdings eine Übergangsfrist bis Ende 2021 vorgesehen. Das soll Anreize zur Entwicklung von ökologischen Betriebsmitteln setzen. Bei verarbeiteten Produkten hingegen gilt weiterhin ein Ökoanteil von 95 % als ausreichend für den Erhalt des Biosiegels.

Ferner sollen sich Betriebe entweder ganz oder gar nicht dem Ökoanbau widmen. Die Möglichkeit für eine teilweise Umstellung entfällt. Eine Stallmast für Rinder wäre ebenso wenig gestattet wie Ausnahmen vom Anbindehaltungsverbot. Die Winterstallung von Wiederkäuern wäre erlaubt, solange ihnen Bewegungsfreiheit bleibt.

Um mehr Kleinlandwirte für den Biolandbau zu gewinnen, soll ihnen eine Gruppenzertifizierung ermöglicht werden. Die bisherigen einjährigen Pflichtkontrollen aller Ökobetriebe entfallen zugunsten eines risikobasierten Ansatzes: Wer in der Vergangenheit nicht auffällig war, kann sich auf seltenere Besuche der Inspektoren freuen, während dort, wo Mängel festgestellt werden, die Kontrollhäufigkeit steigt. Darüber hinaus sollen sich Kontrollen nicht mehr nur auf landwirtschaftliche Betriebe, sondern auf die gesamte Wertschöpfungskette erstrecken − einschließlich eines stärkeren Augenmerks auf die Produktkontrolle. Ware mit zu hohen Rückständen von Substanzen, die in der Ökoproduktion verboten sind, dürften nach dem Willen der Kommission nicht mehr mit dem Biosiegel verkauft werden, auch wenn die Verunreinigung nachweislich unabsichtlich erfolgte, wie durch Abdrift. Grenzwerte für einzelne Stoffe sollen zu einem späteren Zeitpunkt erarbeitet werden; im Gespräch sind jedoch Höchstmengen für Babynahrung.     

Mehr dazu auch im Interview (siehe BauernZeitung, Ausgabe 14, Seite 22).

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