Noch reichlich Handlungsbedarf?

02.02.2015

© Sabine Rübensaat

Ohne Abzeichen. Der Tierschutzbund kritisiert die Tierwohlinitiative des Berufsstandes. Sein eigenes Tierwohllabel hat deutschlandweit aber gerade mal 70 Mastbetriebe.

Noch viel Handlungsbedarf sieht der Deutsche Tierschutzbund (DTB) bei der Verbesserung der landwirtschaftlichen Tierhaltung. Tierschutzbundpräsident Thomas Schröder erklärte zu Beginn der Grünen Woche in Berlin, Verstöße gegen den Tierschutz bestünden weiterhin und seien vom Gesetzgeber noch nicht verhindert worden. Man sei froh, dass sich die Debatten um mehr Tierschutz im Stall immer mehr darauf bezögen, wie verändert werden müsse und nicht mehr, ob überhaupt.
 
Es sei zudem begrüßenswert, dass das Bundeslandwirtschaftsministerium die Wirtschaft in den Dialog einbezogen habe; das aber werde nicht ausreichen. Das Tierschutzgesetz sei eher ein „Tiernutzungsgesetz mit zu vielen Ausnahmen“, monierte Schröder. Die Forderung nach einem Bundestierschutzplan mit zeitlich eng gesetzten Ausstiegsfristen bleibe bestehen. Der Tierschutzbund befürworte auch die Länderinitiativen mit höheren Tierschutzvorgaben, beispielsweise das Verbot des Schnabelkürzens bei Legehennen ab 2017 und die Erlasse zur Beendigung der Tötung männlicher Eintagsküken. Der Bund  halte sich hier noch zu sehr zurück. Auch die Entwicklung der  Initiative Tierwohl des Handels und der Landwirtschaft dürfe die Regierung nicht daran hindern, den gesetzgeberischen Rahmen zu verbessern.

Zwar sei das Ziel der Brancheninitiative richtig, in der Breite zu verändern, räumte Schröder ein. Richtig sei auch, dass die Landwirte für erste Schritte Vergütungen erhalten. Die Methodik aber sei aus Tierschutzsicht kritisch zu sehen. Die Landwirte könnten aus einer Liste von Kriterien einzelne auswählen und frei kombinieren, doch eine zusätzliche Fachberatung sei nicht vorgesehen.

Schröder kritisiert zudem, dass bei der Entwicklung des Programms nur in geringem Maße wissenschaftlicher Rat eingeholt worden sei. Es sei nicht gewährleistet, dass Tierschutzgrundanforderungen vorrangig angegangen würden. Zudem seien die Bonitierungen gedeckelt und bremsten damit motivierte Landwirte aus. Eine Mitarbeit im Beirat der Initiative Tierwohl lehnte Schröder ab.

Für sein eigenes Tierschutzlabel zieht der Verband eine positive Bilanz, auch wenn es „nicht so schnell vorangehe, wie es aus Tierschutzsicht nötig wäre.“ Den Angaben zufolge sind aktuell 48 Geflügelmastbetriebe und 22 Schweinemastbetriebe zertifiziert. Schröder schob die Schuld dem Handel zu, der sich stärker öffnen müsste.

Schröder kündigte an, dass es das Tierschutzlabel demnächst auch für Eier geben werde. Darüber hinaus werde eine Facharbeitsgruppe Rind etabliert, welche Kriterien für die Milchkuhhaltung erarbeiten solle. Verbesserungen in der Tierhaltung hält Schröder auch bei Biobetrieben für nötig, wenngleich es den Tieren dort „weitaus besser“ gehe. Vor allem beim EU-Biostandard seien noch Veränderungen nötig, besonders bei Schlachtung und Ferkelkastration.

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