Noch mehr Anschuldigungen

13.10.2016

© Thomas Tanneberger

In Schweineställen von Bundestagsabgeordneten soll es zu Tierschutzverstößen gekommen sein. Darüber berichtet das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ in seiner Ausgabe 41 und stützt sich dabei auf Filmaufnahmen der Tierschutzorganisation Peta. Die bei Stalleinbrüchen gewonnenen Videos sollen erst wenige Wochen alt sein und zeigen unter anderem Schweine mit Nabelbrüchen, zerbissenen Schwänzen oder anderen Verletzungen. Peta zufolge stammen die Aufnahmen aus Ställen des agrarpolitischen Sprechers der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Franz-Josef Holzenkamp, des CDU-Bundestagsabgeordneten Josef Rief und des Präsidenten des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, Johannes Röring. Gegen alle drei hat Peta Strafanzeige erstattet.

 

Regelrechte Kampagne


Die Vorwürfe reihen sich an vor Kurzem im NDR-Magazin „Panorama“ gegen führende Agrarfunktionäre geäußerte Anschuldigungen wegen angeblicher Tierschutzverstöße, die auf Videomaterial der Organisation „Animal Rights Watch“ (Ariwa) aus dem Jahr 2015 zurückgehen.  


Röring versicherte vor zwei Wochen wie jüngst, dass er alle Tiere ordnungsgemäß gehalten und rechtzeitig für eine Behandlung kranker Schweine gesorgt habe.  


Er belegte dies mit einer eidesstattlichen Versicherung seines Hoftierarztes. Auch Rief bestreitet laut „Spiegel“ Haltungsprobleme in seinen Ställen; ein Amtsveterinär habe ihm kürzlich die „Ordnungsmäßigkeit“ bestätigt.


Franz-Josef Holzenkamp bekräftigte in einer Stellungnahme ebenfalls sein Bemühen um gute Haltungsbedingungen für seine Tiere. Dokumentiert werde der gute Zustand seiner Schweinehaltung in einer aktuellen Auditierung durch die Prüfstelle der QS Qualität und Sicherheit GmbH mit dem Status 1.

Holzenkamp räumte zugleich ein, dass trotz intensiver Vorkehrungen Krankheiten im Bestand nicht gänzlich zu vermeiden seien. Leider könne auch das Schwanzbeißen trotz Vorsorge nicht ausgeschlossen werden. Bei Verletzungen und Krankheiten werde aber umgehend veterinärmedizinisch reagiert. Den Urhebern der Videoaufnahmen wirft Holzenkamp vor, sie wollten die Nutztierhaltung in ihrer Gesamtheit diskreditieren. Auch in seinem Fall hätten sich die Video-Aktivisten unbefugt Zutritt zu den Ställen verschafft.


Was bei solchen Aktionen passieren kann, hat sich vor einigen Tagen erst wieder in Bayern gezeigt. Bei einem mutmaßlichen Einbruch von Tierschützern in einen Putenstall sind im Landkreis Mühldorf am Inn in der Nacht zum 28. September  fünf Tiere zu Tode gekommen und zahlreiche verletzt worden. Der Bayerische Bauernverband (BBV) berichtete danach, dass es durch das Eindringen in der Nacht zu einer Massenpanik unter den Tieren gekommen sei. Zudem gelangte ein Teil der Puten durch die aufgebrochene Stalltür ins Freie und unterkühlte sich. Bei etwa 40 % stellte die herbeigerufene Veterinärin später röchelnde Atemgeräusche fest. Der Landwirt hat wegen Hausfriedensbruch und Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

 

Bilder um jeden Preis


Für den BBV-Generalsekretär Hans Müller zeigt der Fall, „dass vermeintliche Tierschützer Verletzungen und Todesfälle als direkte Folgen ihres Eindringens billigend in Kauf nehmen, um an dramatische Bilder zu kommen“. Der BBV kritisierte in dem Zusammenhang, dass erst kürzlich das Amtsgericht Haldensleben drei Aktivisten von „Animal Rights Watch“ vom Vorwurf des Hausfriedensbruchs freigesprochen habe, die 2013 in einen Schweinestall eingebrochen waren. „Der Fall im Landkreis Mühldorf zeigt, dass hier völlig falsche Signale ausgesendet werden. Schließlich geht es nicht nur um Eigentumsrechte des Landwirts, sondern auch um den Schutz der Tiere“, betonte Müller. Wenn die Politik diesem Treiben weiter tatenlos zusehe und die Medien den Aktivisten die Videos der Einbrüche sogar noch abkauften, machten sie sich „zu Handlagern dieser vermummten und durchs ganze Land ziehenden Kommandotruppen“. 

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr