Noch eine Tierwohlinitiative!

25.09.2014

Karikatur © Lothar Schneider

Nee … Nee… Mein Lieber … Die Rating-Agentur hat es jetzt auf Kaninchen abgestuft …

Zu einer neuen Initiative für mehr Tierwohl im Agrar-, Heim- und Versuchsbereich habe Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt den Startschuss gegeben, hieß es vergangene Woche in Berlin. Mit dem Projekt „Eine Frage der Haltung − neue Wege für mehr Tierwohl“ solle der Tierschutz stärker in die Mitte der Gesellschaft gerückt werden. Notwendig sei ein „gesellschaftlicher Pakt“, um das Verhältnis von Mensch und Tier neu auszuloten.

Allerhand zu tun

Die vorgelegten Eckpunkte enthalten ein umfangreiches Maßnahmenpaket. Im ersten Quartal 2015 soll der Entwurf einer freiwilligen Vereinbarung zum Verzicht auf sogenannte nicht-kurative Eingriffe vorliegen, wie etwa dem Kupieren der Schwänze bei Schweinen und von Hühnerschnäbeln. Neue Ställe und Stalleinrichtungen sollen künftig stärker am Tierwohl orientiert werden. Dazu ist geplant, bis Mitte 2015 Grundlagen für ein Prüf- und Zulassungsverfahren für serienmäßig hergestellte Stalleinrichtungen zu entwickeln. Zudem sollen Anforderungen an die Sachkunde der Personen definiert werden, die mit landwirtschaftlichen Nutztieren umgehen.

„Ziel der Initiative ist es, gerade auch die Haltungsbedingungen für landwirtschaftliche Nutztiere weiter zu verbessern und noch stärker an die Bedürfnisse der Tiere anzupassen“, erläuterte Minister Schmidt. Es gelte, bestehende und künftige Initiativen der beteiligten Wertschöpfungskette vom Erzeuger über den Handel bis zum Verbraucher zu unterstützen, die nachweislich hohe Tierschutzstandards förderten. Schmidt setzt dabei nach eigenen Angaben auf das Prinzip der „verbindlichen Freiwilligkeit“, kündigte aber an, im Falle fehlender oder unzureichender Branchenlösungen auch „gesetzgeberisch zu handeln, wo notwendig“. Begleitet werden soll die Initiative von einem „Kompetenzkreis Tierwohl“, der unter der Leitung des ehemaligen niedersächsischen Landwirtschaftsministers Gert Lindemann insbesondere bei der Folgenabschätzung politischer Maßnahmen als Ratgeber fungieren soll. Beteiligt sind berufsständische Organisationen sowie Tierschutz- und Verbraucherverbände, darunter der Tierschutzbund.

Zeitnaher Start

Der Kompetenzkreis wird am 6. Oktober zu seiner konstituierenden Sitzung zusammenkommen. Zudem will sich Schmidt am 21. Oktober mit unterschiedlichen Tierschutzinteressenvertretern treffen, um die Ziele der „Initiative Tierwohl“ zu erörtern. Der Minister wies darauf hin, dass so schnell wie möglich tiergerechte, aber auch praxis-taugliche Lösungen gefunden werden müssten. „Was bringt es dem Tier, wenn der Schwanz nicht vom Menschen abgeschnitten, er aber von anderen Schweinen angebissen wird“, fragte der Minister. Hier sei auch die Forschung gefordert, praktikable Wege des Übergangs aufzuzeigen. Ebenso wie bei der betäubungslosen Ferkelkastration sei es nicht sinnvoll, einen Ausstieg „von jetzt auf gleich“ anzuordnen. Dringenden Handlungsbedarf sieht der CSU-Politiker auch bei der Tötung männlicher Küken, in der stärkeren Begrenzung von Tiertransporten, bei Muttersauen, die mehr Ferkel gebären als aufgezogen werden können, sowie bei der Schlachtung tragender Kühe.

Die neue Tierwohlinitiative hat in der Politik ein geteiltes Echo hervorgerufen. Während der Deutsche Bauernverband (DBV) und der Deutsche Tierschutzbund (DTB) die Initiative begrüßten, gehen die Maßnahmen aus Sicht der Opposition und auch nach Meinung einiger Interessen- und Umweltverbände nicht weit genug. DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken bescheinigte Schmidt, er folge in vielen Punkten dem Ansatz der Wirtschaft.

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