Neues Gutachten zum Wolf in Europa

17.08.2017

© Sabine Rübensaat

Die in Deutschland vorkommenden Wölfe stellen keine eigenständige Population dar, sondern gehören – wie alle ihre Artgenossen in Mitteleuropa – zu einem großen Populationskontinuum, das sich über ganz Eurasien erstreckt. Entsprechend ist die im Rahmen der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) geforderte Individuenzahl für einen „günstigen Erhaltungszustand der Population“ im Falle des Wolfes in Mitteleuropa längst erreicht oder sogar überschritten. Deshalb besteht kein populationsbiologischer Grund, den Wolf nicht in Anhang V der FFH-Richtlinie zu überführen und so „eine vernünftige Bejagung“ zu ermöglichen. Dies erläutert ein wissenschaftliches Gutachten, das der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) gemeinsam mit dem Verband der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden in Westfalen-Lippe (VJE) bei Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel, Professor für Zoologie an der FU Berlin von 1978 bis 2008, in Auftrag gegeben hatte.

 

Bejagung üblich


Bereits heute werde der Wolf „in vielen Teilen Europas planmäßig“ bejagt, heißt es in dem Gutachten. Allein in den baltischen Staaten würden jährlich zwischen 300 und 500 Individuen ohne Schaden für die Population erlegt und dadurch Konflikte minimiert. Die bestehenden Pläne zum Management des Raubtieres in Deutschland stoßen bei dem Gutachter auf wenig Gegenliebe. Es handelt sich dabei seiner Ansicht nach lediglich um Maßnahmen zur Beobachtung der Vorkommensentwicklung und zur Regulation der Entschädigungen für die Landwirte. Der in den Plänen oftmals verwendete Begriff „Problemwolf“ sei zudem widersinnig, so der Zoologe. Aus biologischer Sicht gebe es keine Problemwölfe. Ein Wolf, der gelernt habe, Weidetiere zu reißen, verhalte sich „völlig normal“.


Bedenken äußerte der Gutachter im Hinblick auf den Artstatus der in Deutschland lebenden Wölfe. Es gebe Fachleute, nach deren Einschätzung die in Deutschland lebenden Exemplare ausschließlich Hybriden aus Hund und Wolf seien. Das müsste genetisch eindeutig geklärt werden. Sollten sich diese Befürchtungen bestätigen, würden die aktuellen Schutzbemühungen der Art mehr schaden als nützen.


Aus diesen Darlegungen Prof. Pfannenstiels zieht der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband den Schluss, dass eine Begrenzung des deutschen Wolfsvorkommens mit jagdlichen Mitteln erforderlich werden wird.

 

Weidetiere schützen


Anlässlich der Vorstellung von Pfannenstiels Gutachten am Dienstag vergangener Woche in Münster verwies WLV-Präsident Johannes Röring auf den bestehenden gesellschaftlichen Willen zum Erhalt des Grünlandes. Dessen Nutzung sei aber nur mit Weidetieren möglich. Die starke Vermehrung des Wolfes gefährde die Weidehaltung jedoch „in höchstem Maße“, warnte Röring. Schutzvorrichtungen wie Zäune und Elektrodrähte seien „gut gemeint, aber faktisch nicht wirksam“. Erfahrungen aus dem Osten Deutschlands hätten gezeigt, dass ein „vollumfänglicher Schutz“ nicht zu gewährleisten sei.


Röring bemängelte zudem die unklare Rechtslage. Es sei ungeklärt, wer die direkten und indirekten Folgekosten, beispielsweise durch einen Ausbruch verängstigter Weidetiere, zu tragen habe. Mit Blick auf die gesellschaftlichen Debatten über den Wolf bedauerte der Verbandspräsident, dass sich „Fakten stark mit Emotionen“ vermischen; das erschwere einen „verantwortungsvollen Umgang“ mit dem Thema. Der WLV habe daher das Gutachten in Auftrag gegeben, um „Fakten gegen Emotionen“ zu setzen.AgE/ta

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