Neuer Wind beim Thema „Wolf“

02.04.2015

© Sabine Rübensaat

Wölfe im Wildpark Schorfheide

Für mehr Sachlichkeit bei Befürwortern und Gegnern gleichermaßen plädierte der Staatssekretär im Schweriner Landwirtschaftsministerium, Dr. Peter Sanftleben. Bei der Fachtagung „Fakten zum Wolf“ gab Sanftleben Mitte März in Güstrow zu, dass das Nebeneinander von Mensch und Wolf eine Herausforderung darstelle. Deshalb sei es wichtig, Vorurteile abzubauen sowie Fakten darzulegen. Nach Angaben des Staatssekretärs treten seit dem Jahr 2000 dauerhaft wildlebende Wölfe in Deutschland durch natürliche Zuwanderung auf.

 

Damit könne man gut zurechtkommen. In Mecklenburg-Vorpommern seien mit dem 2010 veröffentlichten „Managementplan für den Wolf“ sowie der 2013 in Kraft getretenen Richtlinie zur Förderung von Präventions- und Schadensausgleichsmaßnahmen die Grundlagen für den weiteren Umgang mit den Raubtieren geschaffen. Auch habe man fast 50 Wolfsbetreuer ausgebildet. Bei Verdachtsfällen auf Schäden an Nutztieren durch den Wolf könne man zudem auf sieben Rissgutachter zurückgreifen, die die Spurenbefunde gemeinsam mit den Geschädigten untersuchten. Laut Sanftleben wurden in Mecklenburg-Vorpommern seit 2007 bei 29 Schadensfällen 149 Tiere nachweislich durch Wölfe getötet und 46 Tiere verletzt. Beim Umgang mit auffälligen Wölfen plädiert der Staatssekretär grundsätzlich für Vergrämungsmaßnahmen als das „zum gegenwärtigen Zeitpunkt zielführende Mittel“. Mit Blick auf aktuelle Vorfälle in Niedersachsen sprach er sich allerdings dafür aus, bei aggressivem, aufdringlichem oder notorischem Verhalten von Tieren deren Entnahme aus der Natur durchzusetzen. Dazu gebe es eindeutige rechtliche Regelungen (www.wolf-mv.de).

 

Der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel  plädiert hingegen dafür, verhaltensauffällige Wölfe nur zu vergrämen. Vor dem niedersächsischen Landtag erklärte Wenzel Mitte März, Sichtungen von Wölfen in der Nähe von oder in Dörfern seien keinesfalls immer Grund zur Besorgnis. Zeige ein Wolf jedoch ungewöhnliches Verhalten, so sei es sinnvoll, frühzeitig zu reagieren. Sofern der Wolf kein aggressives Verhalten gegenüber Menschen zeigt, sollte laut dem Minister versucht werden, dem Tier durch Vergrämung die Scheu vor Menschen wieder anzuerziehen. Für das Vergrämen gebe es zwar in Deutschland noch keine Erfahrungen; sowohl in Schweden als auch im Yellowstone Nationalpark seien auffällige Wölfe aber erfolgreich vergrämt worden.

 

Ein stärkeres Engagement des Bundes beim Thema „Wölfe in Deutschland“ hat die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Gitta Connemann, angemahnt. In einem Schreiben an Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt fordert sie die Einrichtung einer bundesweiten „Task Force Wolf“. Deren Aufgabe müsse es sein, Kompetenzen zu bündeln, ein deutschlandweites Wolfsmonitoring einzurichten und auf dieser Basis konkrete Handlungsempfehlungen an die Politik, aber auch Warnungen und Verhaltensempfehlungen an die Bevölkerung auszusprechen. Auf den Prüfstand müsse dabei auch das geltende Recht. Für dringend notwendig hält Connemann einen „Bundes-Aktionsplan Wolf“. In diesem müsse ein einheitliches Schutzniveau für Menschen und Tiere im Vordergrund stehen. Connemann: „Gesundheit und Sicherheit müssen grundsätzlich Vorrang vor Naturschutzinteressen haben, mögen diese auch noch so nachvollziehbar sein.“

 

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