Nächster Akt im Glyphosat-Theater

18.03.2016

© Sabine Rübensaat

Die Entscheidung, ob der Pflanzenschutzwirkstoff Glyphosat eine Neuzulassung in der Europäischen Union erhält, verzögert sich um weitere Wochen. Die EU-Kommission stellte ihren Vorschlag auf der Sitzung des Ständigen Ausschusses für Pflanzen, Tiere, Nahrungs- und Futtermittel in Brüssel bis zum 8. März nicht zur Abstimmung. Zu viele Mitgliedstaaten hielten diesen Schritt für verfrüht und sahen sich außerstande, den Entwurf der Brüsseler Behörde zu unterstützen. Frankreich und Italien ließen verlauten, sie würden im Fall einer Abstimmung dagegen votieren, während die Niederlande und Schweden ausdrücklich eine Verschiebung verlangten. Beobachter erwarten, dass die Kommission sich nun überlegen wird, wie sie den Mitgliedstaaten entgegenkommen kann. Offenbar will sie es vermeiden, den Stoff ohne Unterstützung durch eine qualifizierte Mehrheit der Mitgliedstaaten zuzulassen. Diskutiert wird, den Zeitraum der Neuzulassung von 15 Jahren auf zehn oder sogar nur acht Jahre zu senken, die Regeln für Beistoffe strenger zu fassen und Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität einzubinden. Die nächste Sitzung des zuständigen Ausschusses ist für den 18. und 19. Mai vorgesehen. Prinzipiell könnte das Thema aber auch zuvor im Rahmen einer anderen Ausschussformation auf die Tagesordnung gesetzt werden.


Die EU-Zulassung für Glyphosat läuft am 30. Juni dieses Jahres definitiv aus. Allerdings würde auch ein Verstreichen dieser Frist kein sofortiges Verwendungsverbot für glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel bedeuten.


Unterdessen hatte sich das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) mit einer weiteren „Studie“ der Heinrich-Böll-Stiftung auseinanderzusetzen. Diese hatte behauptet, dass bei 75 % der Bürger die Glyphosat-Belastung im Urin mit mindestens 0,5 ng/ml um ein Fünffaches höher als der Grenzwert für Trinkwasser (0,1 ng/ml) liege. Ein Drittel der Bevölkerung habe das Zehn- bis Zweiundvierzigfache der Grenzwerte aufgewiesen.


Das BfR kommentierte hierzu, dass die von der Böll-Stiftung gefundenen Werte gesundheitlich unbedenklich seien. Man habe vergleichbare Urinwerte in der Vergangenheit bereits wissenschaftlich bewertet, erklärte BfR-Präsident Prof. Andreas Hensel. Die Aussagekraft der sogenannten Urinal-Untersuchung sei wegen der mangelhaften Probenahme und statistischer Mängel jedoch gering. Die Probanden hatten ihren Urin auf dem Postweg ungekühlt an das Analyselabor gesandt. Zudem seien die gefunden Wirkstoffmengen nicht mit den Grenzwerten im Trinkwasser, sondern mit der zulässigen Tagesaufnahme zu vergleichen.

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