Nachhaltig? Fragwürdig!

30.11.2013

Die Forschung zu indirekten Landnutzungsänderungen (iLUC) steckt noch in den Kinderschuhen und sollte deshalb nicht für Politikentscheidungen bei der Regulierung der Biokraftstoffmärkte herangezogen werden. Zu diesem Schluss kommen die Agrarökonomen Prof. Dr. Harald von Witzke und Dr. Steffen Noleppa in einer Studie, die auf Anregung des deutschen Bundesverbandes der Bioethanolwirtschaft (BDBe) durchgeführt wurde. 

Die Wissenschaftler halten die Datenlage für insgesamt noch unzureichend und von zu vielen Lücken geprägt. „Diese Lücken werden momentan durch Transfers von ‚Expertenwissen’ und Annahmen erfüllt, die nicht immer nachvollziehbar und damit auch nicht objektiv begründbar sind“, heißt es in dem Text, der in der Publikationsreihe des Beratungsnetzwerks agripol erschienen ist. 

Wenn sich politischer Handlungsbedarf abzeichne, dann zuvorderst ein forschungspolitischer, um die vorhandene ausbaufähige Substanz weiterzuentwickeln. Bereits konkrete iLUC-Faktoren für politische Entscheidungen zu determinieren, bezeichnen von Witzke und Noleppa als „nicht sinnvoll, vielmehr willkürlich“. Fragwürdig seien nicht die Studien an sich, sondern der politische Umgang mit ihnen. 

Der Stellvertretende BDBe-Vorsitzende Prof. Markwart Kunz betonte anlässlich der Vorstellung der Untersuchung in Berlin, die bisherigen Studienergebnisse zu iLUC streuten außerordentlich und seien auch nur teilweise transparent. BDBe-Geschäftsführer Dietrich Klein forderte eine Offenlegung der zugrundeliegenden Modelle bei weiteren Aufträgen der Kommission zur iLUC-Forschung. Klein bezeichnete die zur iLUC-Berichterstattung vorgesehenen Werte unter Verweis auf die agripol-Studie als nicht haltbar. „Durch iLUC-Werte würde kein Quadratmeter Regenwald geschützt“, so Klein. Das gehe nur durch Rodungsverbote in den betroffenen Ländern. Modelle mit iLUC-Faktoren bildeten die Wirklichkeit nicht ab, weil zum Beispiel Regenwald zur Holzgewinnung gerodet und anschließend die Fläche landwirtschaftlich genutzt werde. Die entstehenden Treibhausgasemissionen könnten nur auf Basis der tatsächlichen Gewinnung von Holz und landwirtschaftlicher Biomasse ermittelt werden. 

Klein bezweifelte, dass Biokraftstoffe zwangsläufig von den Herstellern mit den niedrigsten Erzeugungskosten geliefert würden. Schließlich sei auch das teurere Nordseeöl gegenüber Rohstoff aus Saudi-Arabien konkurrenzfähig. Deshalb sei die Annahme falsch, dass es in Europa künftig nur noch Bioethanol aus Brasilien geben und dort deswegen der Regenwald gerodet werde. 

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