Mutiger Ausblick

06.05.2013

Mit detailliertem Praxiswissen und hintergründigem Humor erläuterte Dr. Manfred Golze vom Sächsischen Landesamt für Landwirtschaft den Zuhörern die Perspektiven in der Geflügelhaltung. ©Thomas Tanneberger

 

Zeitweise über 70 Gäste lauschten der Tagung, die sich in speziell den Problemen der Nebenerwerbslandwirtschaft verschrieben hatte. „Zusätzlich zu der wöchentlichen Doppelseite in der BauernZeitung wollen wir den Feierabendbauern unter uns mit Rat zur Seite stehen und letztlich auch einfach ein bisschen Mut machen“, sagte BauernZeitungs-Chefredakteur Dr. Thomas Tanneberger einleitend zu der Veranstaltung. Immerhin stelle die Gruppe der Nebenerwerbslandwirte in Ostdeutschland zahlenmäßig fast die Hälfte der Betriebe und bewirtschafte über 5 % der Agrarfläche. Politisch noch mehr zu würdigen seien die Verdienste der Nebenerwerbsbetriebe im Bereich der hochwertigen Bevölkerungsversorgung und Direktvermarktung, der Landschaftspflege sowie der Bewahrung wertvoller Tierrassen und ländlicher Architektur. Deshalb sei es besonders dankenswert, dass sich der Sächsische Landesbauernverband (SLB) hier als Mitveranstalter engagiere und das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) gleich drei Referate beigesteuert hat.

 

Armin DöhlerDessen Abteilungsleiter für Agrarrecht und Förderung, Armin Döhler, gelang es in einem sehr praxisnahen Vortrag denn auch, die Ängste vieler Landwirte vor Cross Compliance zu zerstreuen. Die Kontrollen dazu seien kein Wunderwerk, sondern folgten klaren Regeln. Dass die allermeisten Landwirte damit auch gut klarkommen, zeige die Tatsache, dass von den 2012 ausgereichten 335 Mio. € nur 0,32 Mio. € von Kürzungen betroffen waren und die Kontrollen bei nur 8,5 % der Landwirte Beanstandungen zutage gefördert hätten. Hauptprobleme seien die richtige und dauerhaft sichtbare Kennzeichnung der Tiere sowie die Einhaltung der Nitrat-Richtlinie. Weiterhin riet Döhler, der selbst als Nebenerwerbslandwirt tätig ist, sich mit der Flächenberechnung zum Förderantrag etwas Mühe zu machen, denn die Ämter seien von der EU aufgefordert, die Angaben zu kontrollieren. Betrage die Abweichung mehr als zwei Hektar, könne schnell die gesamte Prämie in Gefahr sein. Und wer hier oder bei den Umweltvorschriften einmal ein „schwarzes Schaf“ gewesen ist, müsse mit weiteren Kontrollen in der Folgezeit rechnen.

 

Jens PfauWichtige Hinweise zu juristischen Fragen brachte der Verbandsjurist des SLB, Jens Pfau, in die Runde. Er betonte unter anderem, dass sich Nebenerwerbslandwirte bei kommunalen Bauvorhaben ebenso einbringen sollten wie Haupterwerbler, um ihre Interessen zu verteidigen. In Zusammenhang mit der Diskussion um die Privilegierung landwirtschaftlicher Bauvorhaben nach § 35 BauG erwähnte Pfau, dass Nebenerwerbler davon zwar nicht betroffen seien, daraus aber keinesfalls automatisch die Zulässigkeit jedweder Bauprojekte folge. Eine häufig anzutreffende Problematik bei Nebenerwerbsbetrieben sei auch der Bodenkauf. Hier, so Pfau, sei dringend zu beachten, dass Haupterwerb und Nebenerwerb nach Grundstücksverkehrsgesetz gleich gestellt sind.

 

Sylke Ott-Wiemann Wie es für die Nebenerwerbslandwirte agrarpolitisch weitergeht, erläuterte Sylke Ott-Wiemann vom Sächsischen Landesamt. Ziehe man die Vorschläge von Kommission, Parlament und Rat zur neuen EU-Agrarpolitik zusammen, dann zeichne sich ab, dass die Basiszahlungen künftig nur bei 175 – 200 €/ha liegen könnten. Positiv für Kleinbauern wirke hier der geplante neue Modulationsausgleich für die ersten 30-50 ha. Mit einer Entscheidung dazu könne es jedoch bis 2014 dauern. Dass es mit 2015 noch ein weiteres Übergangsjahr geben wird, hält Frau Ott-Wiemann jedoch für unwahrscheinlich.

 

Weitere Optionen, die für Nebenerwerbsbetriebe Bedeutung haben, sind die Kleinlandwirteregelung, die Regelungen zum aktiven Landwirt und das Greening der Direktzahlungen. Eine echte Flächenstillegung sei zwar wohl vom Tisch, aber über die Frage, was ein Landwirt verliert, der nicht am Greening teilnimmt, streite man noch heftig.

 

Von der Agrarpolitik in die Produktionspraxis holte die Zuhörer Dr. Manfred Golze vom Sächsischen Landesamt. Er unterstrich die große Bedeutung der Geflügelhaltung für die heimische Nebenerwerbslandwirtschaft. Hinsichtlich der Eierproduktion falle in Beratungsgesprächen immer wieder auf, dass die Planung der Produktion entsprechend den saisonal unterschiedlichen Kundenwünschen entscheidend ist. Eierfarbe, Nutzungsdauer, Legekurve und neue Möglichkeiten der Mausersteuerung gelte es zu berücksichtigen. Gleiches gelte für die Stallausrüstung und die Beleuchtungsplanung. Sofern man den Arbeitsbedarf richtig plant, sei auch die Geflügelmast wirtschaftlich interessant, so Golze weiter. Wer unterschiedliche Entenarten gestaffelt mäste, könne nahezu rund ums Jahr frische Ware anbieten. Auch berge die Kooperation zwischen Landwirten viele Chancen. Und schließlich sollten die Bauern vor einer Saisonalität der Produktion keine Angst haben: „mon cheri“ gebe es schließlich auch nicht das ganze Jahr!

 

 

BraLa-Forum am 11. Mai in Paaren

  • Wie können Mutterkuhherden besser vor Wolfsübergriffen geschützt werden?
  • Welche Chance bietet die Direktvermarktung?
  • Wie viel Pflege braucht das Grünland?

Diese Fragen stehen im Mittelpunkt eines Forums für Nebenerwerbslandwirte auf der BraLa am 11. Mai von 10 bis 12 Uhr im Raum Brandenburg auf dem MAFZ-Erlebnispark in Paaren/Glien. Die Veranstaltung organisiert die BauernZeitung gemeinsam mit dem Landesbauernverband und dem Verband pro agro und hat kompetente Referenten eingeladen.

 

wh

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