Mit Innovation gegen Hunger

23.10.2014

© Lothar Schneider

Welternährungskonferenz: Ich hoffe Sie können lesen …

Eine Modernisierung und Professionalisierung der Landwirtschaft in Entwicklungsländern sei eine der wesentlichen Voraussetzungen für eine Verbesserung der weltweiten Ernährungssicherheit, so Gerd Müller in einem aktuellen Interview mit dem Nachrichten- und Informationsdienst Agra-Europe. „Wir müssen mehr Nahrungsmittel bei geringerem Ressourcenverbrauch produzieren“, sagte der CSU-Politiker den Journalisten.


Der Flächenbedarf in der Landwirtschaft sei weltweit der Hauptgrund für Entwaldung. Weil Land aber nicht endlos verfügbar sei, müsse die Landwirtschaft zukünftig deutlich mehr Ertrag pro Hektar erwirtschaften als heute. Den Schlüssel dafür sieht Müller in der Innovation:


„Agrarforschung, Ausbildung, Beratung und angepasste, nachhaltige Technologien helfen, vorhandene Defizite zu überwinden.“ Im Mittelpunkt müssten dabei Kleinbauern stehen. Zudem gelte es, der herausragenden Rolle von Frauen in der Landwirtschaft und bei der Ernährungssicherung Rechnung zu tragen.

 

Einkommen steigern

Der Minister wies gleichzeitig darauf hin, dass eine höhere Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln nicht ausreiche. Hunger sei vor allem ein Armutsproblem, von dem ländliche Regionen besonders betroffen seien: „Daher müssen wir die Einkommen in der Landwirtschaft steigern, neue Jobs auch außerhalb der Landwirtschaft schaffen und durch flankierende soziale Sicherungsprogramme die Einkommen sicherstellen.“


Alarmiert zeigt sich der Minister insbesondere über die Ernährungssituation in Afrika. Entgegen dem allgemeinen Trend steige die Zahl der Hungernden dort weiter. Dies sei für die Bundesregierung ein wichtiger Grund, ihre Anstrengungen zur Bekämpfung von Hunger und Mangelernährung auf den schwarzen Kontinent zu konzentrieren.

 

Lichtblicke weltweit

Positiv wertet Müller den Rückgang der Zahl der Hungernden weltweit. Dies stimme ihn optimistisch, „dass wir den Hunger mittelfristig ganz besiegen können“. Die von ihm gestartete Sonderinitiative „Eine Welt ohne Hunger“ solle einen Beitrag dazu leisten, den Hunger auf der Welt bis 2030 vollständig zu überwinden.


Einen hohen Stellenwert misst Müller der in einer Reihe von afrikanischen Ländern geplanten Einrichtung von „Grünen Innovationszentren“ bei. Sie sollen seinen Angaben zufolge dazu beitragen, mit nachhaltigen Methoden und angepassten Technologien die Ernährung der lokalen Bevölkerung zu sichern. Ziel sei eine umfassende Weiterentwicklung der gesamten landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette, vom Acker bis zum Teller. Bis Ende dieses Jahres sollen die Vorbereitungen abgeschlossen sein. Müller geht davon aus, im Januar 2015 in mindestens zehn Ländern mit konkreten Aktivitäten starten zu können.

 

Handel ist keine Lösung

„Wir müssen unsere Partnerländer darin unterstützen, sich vorwiegend wieder selbst ernähren zu können“, betont der ehemalige Agrarstaatssekretär. Das gelte insbesondere für Subsahara Afrika. Hier liege „ein gewaltiges Potenzial“ in der nachhaltigen Produktion von Nahrungsmitteln. Für begrenzt hält Müller hingegen die Fähigkeit Europas, zur verstärkten globalen Versorgung mit Nahrungsmitteln beizutragen. Neben der Bereitstellung von Know-how sieht der Minister die europäische Agrar- und Ernährungswirtschaft gefordert, ihren Druck auf die internationalen Märkte zu verringern. Dazu könne auch eine
Reduzierung der Nahrungsmittelverschwendung beitragen. Hingegen hätten die sprunghaft steigenden Preise auf den internationalen Agrarmärkten gezeigt, „dass eine rein handelsbasierte Ernährungssicherung ein Irrweg ist“.

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