Milchmarktpolitik

01.08.2012

© Sabine Rübensaat

Brüssel. Die Europäische Kommission sieht weiter keinen Bedarf für kurzfristige Maßnahmen am Milchmarkt, die über die Bezuschussung der privaten Lagerhaltung von Butter hinausgehen. EU-Agrarkommissar Dr. Dacian Cioloş  lehnte 16. Juli beim Agrarrat entsprechende Anfragen Polens und Litauens ab, obwohl einige Mitgliedstaaten wie Belgien und Portugal Verständnis für solche Forderungen signalisierten. Warschau forderte eine Erhöhung der Referenzpreise für die Intervention. Das derzeitige Niveau könne angesichts ständig gestiegener Betriebsmittelkosten eine Mindestrentabilität nicht mehr sicherstellen. 

 

Cioloş indes und mit ihm Länder wie  Deutschland und Großbritannien halten die Besorgnis für unbegründet. Laut dem jüngsten Milchmarktbericht wurde das Preistief Ende Mai erreicht. Dabei habe das Niveau für die verschiedenen Milchprodukte im EU-Durchschnitt noch immer um rund 20 % über dem jeweiligen Interventionspreis gelegen. Rohmilch sei mit durchschnittlich 31,6 ct/l rund 30 % teurer als in der Krise vor drei Jahren gehandelt worden . Im Juni beobachtete die Kommission eine Erholung auf 123 % bis 139 % der Interventionspreise. Am Weltmarkt hätten die Preise eine ähnliche Entwicklung vollzogen. Ferner wiesen Spotpreise und Wochenpreise zuletzt wieder nach oben. Die Kommission gibt sich deshalb zuversichtlich, dass auch die Ab-Hof-Preise in den nächsten Monaten wieder anziehen. 

 

Gleichzeitig ermittelte sie für Januar bis April 2012 eine um 3 % höhere EU-Milchanlieferung als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Cioloş sieht hier strukturelle Herausforderungen. Mit kurzfristigen Marktmaßnahmen seien solche Probleme nicht zu lösen.  


Unterdes laufen in Frankreich erste Überlegungen, den Milchpreis für ein halbes Jahr festzuschreiben. Frankreichs Landwirtschaftsminister Stéphane  Le Foll will sich dafür stark machen, wie der Sozialist im französischen Parlamentsfernsehen „Public Sénat“ angekündigt hat.  Der Präsident des Dachverbandes der französischen Milcherzeuger (FNPL), Tierry Rockefeuil, zeigte sich mit Le Folls Idee zufrieden. „Das ist eine Änderung, die in die richtige Richtung gehen würde“, betonte Rockefeuil. Allerdings seien ausreichend zugelassene Erzeugerorganisationen (OP) erforderlich, um diesbezügliche Verhandlungen führen zu können. AgE  

 

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