Milchmarktpolitik: Verschiedene Weltsichten

23.01.2015

© Margit Wild

Milchmarktpolitik weiter in der Diskussion

Es ist vor allem das aus ihrer Sicht unzureichende Krisenmanagement, das die Vertreter des European Milk Board (EMB) so vehement beklagen. Notwendig seien jetzt eine kurzfristige Mengenbegrenzung und ein „Marktverantwortungsprogramm“, betonte  EMB-Präsident Romuald Schaber gemeinsam mit dem AbL-Geschäftsführer Georg Janßen  am 14. Januar während einer politischen Aktion vor dem Büro des Milchindustrie-Verbandes (MIV) in Berlin. Wie beide Verbände dazu erklärten, werfen sie der Milchindustrie vor, sich einer vernünftigen Agrarmarktpolitik zu verweigern und damit für das existenzgefährdende Absinken der Milchpreise mitverantwortlich zu sein. Wie ein Kartenhaus würden die hochgepriesenen Erwartungen an die Märkte Russlands und Chinas in sich zusammenbrechen, erklärte Georg Janßen dazu. Ausbaden sollten es einmal mehr die Milchbauern und ihre Familien.

 

Die derzeitige Überproduktion auf dem europäischen Milchmarkt habe bereits dramatische Folgen für die Erzeuger, schloss Romuald Schaber an. So seien etwa in Belgien, den Niederlanden, Irland und Frankreich die Preise für einen Liter Milch deutlich unter die 30-Cent-Marke gefallen. Viele Produzenten hätten zunehmend Probleme damit, ihre Rechnungen zu bezahlen. Schaber verlangt deshalb eine sofortige Senkung der EU-weiten Milchproduktion um 2  bis 3 %. Aus seiner Perspektive zeigt die aktuelle Situation auch, dass die derzeitigen Kriseninstrumente wie Intervention und private Lagerhaltung völlig ungeeignet seien, um schweren Krisen wie der aktuellen zu begegnen.

 

Das sieht der Deutsche Bauernverband (DBV) grundsätzlich anders. „Die Milchbauern nehmen die Herausforderungen des freien Marktes an und werden sie dann meistern können, wenn die gesamte Milchwirtschaft zusammenarbeitet“, erklärte Präsident Joachim Rukwied bei einem Spitzengespräch der Molkereiwirtschaft am 15. Januar in Berlin. Angesichts der aktuell unbefriedigenden Milchpreisentwicklung rief er die gesamte Vermarktungskette Milch zur stärkeren Kooperation und die Vermarkter und den Handel zur Übernahme von Verantwortung auf. Es sei notwendig, dass Molkereien in den Preisverhandlungen mit dem Einzelhandel den hohen Wert deutscher Milchprodukte auch tatsächlich in gute Preise umsetzen, betonte Rukwied.

 

Der Milchpräsident des DBV, Udo Folgart, machte deutlich, dass das Ende der Milchquote am 31. März im Verband mehrheitlich begrüßt werde, da unternehmerische Freiheit endlich auch im Milchsektor Einzug halte. „Die Milchquote war nicht das geeignete Instrument zur Schaffung eines stabilen Milchmarktes. Preisschwankungen von bis zu 25 Cent je Kilogramm Milch und das Fortschreiten des Strukturwandels hat die staatliche Mengenregulierung mit der Quote nicht verhindert“, stellte Folgart fest. Den für die Zukunft zu erwartenden Marktschwankungen könne durch die Absicherung des Milcherzeugerpreises – zum Beispiel über die Nutzung von Warenterminbörsen –      begegnet werden. „Mit dieser Thematik muss sich die gesamte deutsche Milchwirtschaft, also Milchbauern und Molkereien, intensiver auseinandersetzen“, forderte Folgart.

 

 

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