Kriteriendiskussion für staatliches Tierwohllabel

26.07.2018

© Sabine Rübensaat

Hinsichtlich der Bedingungen für das geplante staatliche Tierwohllabel gibt es nach wie vor viel Streit. Der Deutsche Bauernverband (DBV) sieht hier die erste über den gesetzlichen Mindeststandard hinausgehende Stufe auf dem Niveau der Anforderungen der Brancheninitiative Tierwohl (ITW). Ähnlich sieht das der Deutsche Raiffeisenverband (DRV). „Wir sind überzeugt, dass ein Einstieg auf Niveau der ITW möglich sein sollte. In den Stufen 2 und 3 kann man die Wurst höher hängen“, so DRV-Präsident Franz-Josef Holzenkamp im Juni. 

 

Andere Organisationen und vor allem das Bundeslandwirtschaftsministerium treten jedoch für höhere Anforderungen ein. Ministerin Julia Klöckner möchte, dass die Terms der ersten Stufe ihres Labels klar über die Einstiegsstufe der ITW hinausgehen. Das sei nötig, um eine Förderung mit öffentlichen Mitteln zu ermöglichen.

 

Verbraucher schützen?

In dieser Diskussion trat in der vergangenen Woche nun die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) auf. Es gelte, umfassend für mehr Tierwohl zu sorgen und ambitionierte Kriterien für das Label festzulegen, so die Leiterin des Teams Lebensmittel beim vzbv, Sophie Herr. „Die Glaubwürdigkeit des Tierwohlkennzeichens steht und fällt mit den Standards. Nur wenn das System deutlich über dem gesetzlichen Mindeststandard liegt, ist das für Verbraucherinnen und Verbraucher ein Gewinn“, betonte Herr. Die Konsumenten erwarteten von einem Produkt mit Tierwohlsiegel, dass die Tiere gut gelebt hätten. Der vzbv plädiere deshalb für eine Kennzeichnung, die sich am System des Deutschen Tierschutzbundes orientiert. Eine Eingangsstufe mit nur knapp über den gesetzlichen Minima liegenden Kriterien berge die Gefahr, dass sich Menschen getäuscht fühlten. 

 

BUND für Maximum

Ebenfalls zu Wort gemeldet hat sich der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Auch er will bereits in der Eingangsstufe strenge Tierschutzkriterien erfüllt sehen und plädiert zudem für eine verpflichtende Haltungskennzeichnung. Dies geht aus einem Positionspapier im Rahmen der Verbändebeteiligung zum Tierwohlkennzeichnungsgesetz hervor, das der BUND am Montag vergangener Woche veröffentlicht hat. Darin begrüßt der Verband die Initiative für Verbesserungen in der Nutztierhaltung, fordert das Ministerium jedoch auf, bei den Haltungskriterien nachzubessern. „Wir brauchen eine starke Eingangsstufe mit klaren Kriterien für mehr Tierwohl. Fleisch aus tierquälerischer Massentierhaltung darf auf keinen Fall als Tierwohl gekennzeichnet werden“, betont die BUND-Expertin für Agrarpolitik, Katrin Wenz. 

 

Kritik an „ITW Plus“ 

Kritisiert wird vom BUND vor allem der von der ITW beim Ministerium vorgetragene Vorschlag für die Einstiegsstufe, genannt „ITW Plus“. Dieser sehe vor, dass ein Mastschwein bis 110 kg beispielsweise nur 0,85 m2 Platz zur Verfügung habe und auch das Kupieren von Schwänzen mit flächendeckenden Ausnahmegenehmigungen weiter möglich sei. Dem dürfe das Ministerium nicht folgen, so Wenz, denn „der Ringelschwanz ist ein wichtiger Indikator für das Wohlergehen eines Schweines“.Der BUND fordert deshalb 40 % mehr Platz über dem gesetzlichen Standard, intakte Ringelschwänze und Eckzähne, bequeme Liegeflächen mit Einstreu oder Liegematten. Er verweist in der Diskussion auf das staatliche Tierwohllabel in Dänemark, wo das Schwanzkupieren bereits in der Einstiegsstufe verboten und Stroh als Beschäftigungsmaterial für die Tiere Pflicht sei. Daran sollte sich Deutschland orientieren. 

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