Klimawandel: Keine Ahnung

27.06.2014

© Sabine Rübensaat

Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf die Landwirtschaft?

Zu den Auswirkungen und Veränderungen einzelner Klimaelemente auf Wachstums- und Ertragsprozesse sowie die Qualität wichtiger Kulturpflanzen liegen der Bundesregierung „kaum belastbare Erkenntnisse“ vor. Analoges gilt auch hinsichtlich der Auswirkung der klimawandelbedingten Zunahme von Extremwetterlagen. Vor allem fehlt es an regionalisierten und nach Kulturarten differenzierten Daten. Das stellte die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen zur „Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels in Deutschland“ fest.

Projekt angestoßen

Erkenntnisse über agrarstrukturelle Veränderungen aufgrund des Klimawandels lägen ihr ebensowenig vor, ergänzte die Bundesregierung. Unabhängig davon seien zur Sicherung der Agrarproduktion Anpassungsmaßnahmen zur sparsamen Wasserbewirtschaftung und Erhöhung der Wassernutzungseffizienz sinnvoll. Nicht zuletzt deshalb sei das Verbundforschungsprojekt „Agrarrelevante Extremwetterlagen und Möglichkeiten von Risikomanagementsystemen“ angestoßen worden. Das Forschungsprojekt des Bundeslandwirtschaftsministeriums verfolgt nach Angaben der Bundesregierung das Ziel, die regionalen Auswirkungen klimawandelbedingter Extremwetterlagen auf die deutsche Land- und Forstwirtschaft, inklusive Sonderkulturen, zu erforschen. Hierbei gehe es auch um betriebswirtschaftliche Aspekte und mögliche Anpassungsmaßnahmen auf einzelbetrieblicher Ebene. Die Vorlage des Endberichtes werde voraussichtlich im Frühjahr 2015 erfolgen. Bis hinreichend präzise Erkenntnisse vorliegen, in welchem Ausmaß einzelne Wetterereignisse als Folgen des Klimawandels interpretiert werden können, kann der Bundesregierung zufolge auch keine Aufschlüsselung vorgenommen werden, zu welchen Anteilen staatliche Programme der Bewältigung des Klimawandels dienen.

Staat hilft bei Schäden

Die Bundesregierung weist in ihrer Antwort allerdings auch darauf hin, dass, sofern in der Landwirtschaft Schäden durch Naturkatastrophen entstehen, zu deren Bewältigung staatliche Zuwendungen beantragt werden könnten, unabhängig davon, ob es einen Zusammenhang zum Klimawandel gibt oder nicht. Die Zuwendung für Landwirte in Form eines Zuschusses könne bis zu 80 % des Schadens betragen.

Gefragt nach Maßnahmen zur Unterstützung der Anpassung des Pflanzenbaus an sich ändernde Klimabedingungen betont die Bundesregierung die Notwendigkeit, ein neutrales, auf biometrischen Grundsätzen basierendes Versuchswesen zu erhalten. Dies werde zum Beispiel mittels der beim Bundessortenamt durchgeführten Prüfungen unterstützt.

Invasion aus der Wärme

Ein anderes Problem ist nach Einschätzung der Regierung die infolge der zunehmenden Erwärmung in Deutschland erfolgende Ausbreitung von Pflanzenschadorganismen aus wärmeren Regionen. Dies betreffe sowohl Schadorganismen, die bereits in Teilen hierzulande angesiedelt seien, wie zum Beispiel den Eichenprozessionsspinner oder die hochallergene Beifuß-Ambrosie, als auch solche, die bisher nur in Südeuropa verbreitet gewesen seien. Dies treffe beispielsweise auf den Pinienprozessionsspinner zu. In diesem Zusammenhang sind laut Bundesregierung auch Pflanzenpathogene zu nennen, die mit Vektoren übertragen werden, wie der Erreger der im Weinbau gefürchteten „Flavescence dorée“-Erkrankung. Außerdem nehme die Einschleppung invasiver Schadorganismen aus wärmeren Ländern zu. Keinen Zusammenhang sieht die Bundesregierung zwischen dem Klimawandel und den Nachweisen der Afrikanischen Schweinepest (ASP) bei jeweils zwei Wildschweinen in Litauen und Polen Anfang dieses Jahres.

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