Kindergärten auf Bauernhöfen

11.07.2016

Kinder im Heu © Sabine Rübensaat

Kinder statt Kälber zwischen Stall und Scheune: Tagung zum großen Interesse an kleinen Leuten auf dem Bauernhof


Immer häufiger entdecken Bäuerinnen einen neuen Nebenerwerb: Nicht durch die Aufzucht von Kälbern, sondern durch die Betreuung von Kindern versprechen sie sich neben einer zusätzlichen Einnahmequelle vor allem eine sinnvolle und erfüllende Tätigkeit und gründen deshalb Bauernhof-Kindergärten. Der Trend ist so beachtlich, dass er jetzt Inhalt einer vom Landwirtschaftsministerium geförderten Tagung der Bundesarbeitsgemeinschaft Lernort Bauernhof (BAGLoB) wird.

Laut Ulrich Hampl von der BAGLoB erkennen immer mehr Eltern das Entwicklungspotenzial und die Bildungschancen, die sich für Kinder auf einem Bauernhof bieten. Der Umgang mit Tieren, die Übernahme von Verantwortung beim Füttern oder die Versorgung von Pflanzen lassen sich bereits im Kindergartenalter üben. Zudem würde die Nähe zur Natur eine Lebenseinstellung fördern, die vom Respekt im Umgang mit Lebensmitteln geprägt ist. Da sei die Gründung von Kindergärten auf Bauernhöfen eine logische Konsequenz aus dem Interesse und den Bedürfnissen der Eltern.

Deshalb findet eine „Bundestagung zum Kindergarten auf dem Bauernhof“ im niedersächsischen Barendorf bei Lüneburg statt (Anmeldungen unter www.baglob.de). Vom 2. bis 4. September 2016 können sich dort Bäuerinnen und Bauern, Lehrkräfte und Kita-Personal, aber auch die Mitarbeiter der Trägerorganisationen pädagogischer Einrichtungen informieren und Erfahrungen austauschen. Es werden bereits erfolgreich funktionierende Bauernhofkindergärten vorgestellt und es wird über die Chancen gesprochen, die sich für landwirtschaftliche Betriebe ergeben, wenn sie eine Kita auf ihrem Hof einrichten. Auch die Anforderungen an die Qualifikation der Betreiber und des Kita-Personals wird Tagungsthema sein.

Patrik Simon vom i.m.a e.V. warnt jedoch davor, einen Bauernhofkindergarten als Ausgleich für wirtschaftliche Engpässe in einem landwirtschaftlichen Betrieb zu betrachten: „Erziehungs- und Bildungsarbeit lässt sich nicht nebenbei erledigen; sie bedarf neben der persönlichen Freude an der Arbeit mit Kindern vor allem auch der Bereitschaft zur pädagogischen Qualifikation.“ Hier würde sich das „Bundesforum Lernort Bauernhof“, das der gemeinnützige Verein i.m.a – information. medien.agrar e.V. unterstützt, vorbildlich engagieren.

Simon: „Dort werden Bildungs-Curricula zur Qualifikation der Bäuerinnen und Bauern erarbeitet, damit die Arbeit mit den Kindern einen nachhaltigen Erfolg hat.“ Grundsätzlich sei es zu begrüßen, wenn Kinder schon frühzeitig mit der Landwirtschaft in Berührung kommen. Eltern sollten aber nicht annehmen, Bauernhofkindergärten wären ein Streichelzoo. Simon: „Unsere Bauern sorgen für die Ernährung von mehr als achtzig Millionen Menschen. Entsprechend professionell muss da die Landwirtschaft funktionieren.“ Im Kindergarten auf dem Bauernhof lernen deshalb schon die Kleinsten, woher ihr Essen kommt.

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