Keine Trinkwasserbelastung

20.07.2018

© Sabine Rübensaat

In Deutschland überschreitet das Trinkwasser aus großen zentralen Anlagen schon seit Jahren nicht mehr den Grenzwert für Ni­trat. Weniger als ein Promilleteil der betreffenden, in den Jahren 2014 bis 2016 untersuchten Proben wiesen mehr als 50 mg/l Nitrat auf. Auch bei nahezu allen mikrobiologischen und chemischen Qualitätsanforderungen hielten mehr als 99,9 % der Proben die strengen rechtlichen Vorgaben ein. Diese Ergebnisse finden sich im aktuellen Bericht zur Trinkwasserqualität, der vom Umweltbundesamt (UBA) veröffentlicht wurde. Grenzwertüberschreitungen seien, wie schon in den Vorjahren, „absolute Einzelfälle“, stellt das UBA fest. Es kommt deshalb zu dem Schluss, dass das Trinkwasser aus den großen zen­tralen Anlagen in Deutschland „eine sehr gute Qualität“ besitzt.

 

Breite Datengrundlage


Das Umweltbundesamt hat im aktuellen Bericht für die Jahre 2014 bis 2016 die Ergebnisse der Untersuchungen aus allen größeren Wasserwerken veröffentlicht. Diese versorgen rund 88 % der Bevölkerung in Deutschland. Grundlage seien die Meldungen der Bundesländer an das Bundesgesundheitsministerium und an es selbst, erläuterte das UBA. Dessen Präsidentin, Maria Krautzberger, erklärte, Trinkwasser in Deutschland könne man ohne Bedenken trinken; insbesondere aus größeren Wasserversorgungen sei dieses flächendeckend sogar von „exzellenter Qualität“. Wie Krautzberger weiter feststellte, ist Trinkwasser aus dem Hahn um ein Vielfaches billiger als Flaschenwasser. Ein Zwei-Personen-Haushalt zahle in Deutschland im Mittel für die Verwendung von täglich 242 l Trinkwasser 54 ct pro Tag, also 0,2 ct/l. Ein einziger Liter Mineralwasser koste deutlich mehr, so die UBA-Präsidentin. Sie trat damit indirekt auch Aussagen der Grünen entgegen, wonach es in den vergangenen Jahren zu einem rasanten Anstieg des Wasserpreises gekommen sei. Die Grünen-Bundestagsfraktion hatte berichtet, dass die Trinkwasserkosten zwischen 2005 und 2016 nominal um 25 % gestiegen seien, und dies vor allem auf Umweltbelastungen der Landwirtschaft zurückgeführt. Daraufhin hatte das Statistische Bundesamt richtiggestellt, dass die Wasserpreise in diesem Zeitraum nur um 17,6% gestiegen seien, was der allgemeinen Teuerungsrate entsprach.

 

Vermischung hilft


Wenn die neuen Daten Grenzwertüberschreitungen im Trinkwasser als seltene Ausnahme zeigten, ließen sie allerdings keinen Rückschluss auf den Nitratgehalt in den Rohwässern zu, so Krautzberger weiter. Vor allem im Grundwasser steige die Nitratkonzentration „durch die Massentierhaltung und übermäßiges Düngen in der Landwirtschaft in etlichen Gegenden weiter an“. Damit das Trinkwasser unbelastet bleibt, vermischten die Wasserwerke belastetes Grundwasser mit unbelastetem Wasser. Das stelle zwar die Endqualität sicher, könne jedoch im Extremfall 1 €/m3 mehr auf der Wasserrechnung bedeuten. Ein Zwei-Personen-Haushalt mit 80 m³ Verbrauch zahle dann nicht wie sonst durchschnittlich 95 € pro Jahr, sondern 140 €.


Von den 267 im Trinkwasser überwachten Pflanzenschutzmittel- und Biozidproduktgehalten übertrafen laut Angaben des UBA nur zehn bei mehr als 1 % der Proben den niedrigen Grenzwert von 0,1 μg/l.

 

Keine Gefahren


Aus den gemessenen Konzentra­tionen resultiere keinerlei Gesundheitsgefahr, da die Grenzwerte für die einzelnen Wirkstoffe weit unterhalb einer nachweislich toxischen Konzentration für den jeweiligen Wirkstoff liegen, stellte das Amt klar. Dennoch erfordere eine Nichteinhaltung, dass die Ursache der Belastungen geklärt und beseitigt werden. Grenzwertüberschreitungen für das giftige Schwermetall Blei kamen dem UBA zufolge in weniger als 0,1 % der Proben vor. Schuld daran seien nicht die Natur oder Wasserwerke, sondern bleihaltige Leitungen oder Armaturen in den Häusern und Wohnungen selbst. Hier helfen nur Umrüstungen und Modernisierungen bei den privaten Leitungen, so das Umweltbundesamt.

 

Differenzierte Analyse an der Basis
Der Trinkwasserbericht des Umweltbundesamts betrifft insgesamt 2.490 Wasserversorgungsgebiete, in denen durchschnittlich jeweils mehr als 1.000 m³ Wasser am Tag geliefert oder mehr als 5.000 Personen versorgt werden. Die in diesen Versorgungsgebieten verteilten 4,35 Mio. m³ Trinkwasser werden zu 69 % aus Grundwasser und zu 15 % aus Oberflächenwasser gewonnen; 16 % entfallen auf andere Ressourcen. 

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr