Käse und Kater (Resümee Grüne Woche)

27.01.2016

© Messe Berlin

Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), und Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), formulierten es noch ein bisschen krasser: Die deutsche Land- und Ernährungswirtschaft stehe mit dem Rücken zur Wand, hieß es in ihren Ausführungen im Rahmen der Eröffnungspressekonferenz. Rukwied nannte die derzeitige wirtschaftliche Situation auf vielen Betrieben „besorgniserregend“. Nachdem die Einkommen der Haupt-erwerbsbetriebe im Wirtschaftsjahr 2014/15 im Schnitt um 35 % gesunken sind, erwartet der DBV auch für das laufende Wirtschaftsjahr Einbußen im zweistelligen Bereich. Damit drohe den Betrieben der Verlust von der Hälfte ihres Einkommens innerhalb von zwei Jahren. Rukwied zufolge gibt es derzeit keine Signale auf eine Trendumkehr an den Märkten.

 

Gefahr für die Zukunft


„Sinkende Verkaufspreise gefährden auch die Innovationskraft der Branche und damit mittelfristig die internationale Wettbewerbsfähigkeit“, warnte BVE-Hauptgeschäftsführer Minhoff. Nach ihrem schlechtesten Jahresergebnis seit vier Jahren stehe die Ernährungsindustrie in Deutschland massiv unter Druck.


Sowohl Minhoff als auch Rukwied setzen große Hoffnung auf eine Belebung des Exports. Beide appellierten an die Bundesregierung, ihre Bemühungen zum Abbau von Handelshemmnissen entschlossen zu verstärken. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt ließ noch während der Grünen Woche erkennen, dass diese Botschaft angekommen ist.

 

Stabsstelle verstärkt


Wie der Minister auf einer Pressekonferenz mitteilte, soll insbesondere die Bearbeitung von sanitären und phytosanitären Fragen im Zusammenhang mit der Ausfuhr deutscher Agrargüter intensiviert werden. Schmidt kündigte zu diesem Zweck eine personelle Aufstockung der Stabsstelle Export im Ressort an. Künftig werde es dort zwei „Chefveterinäre“ geben. Davon werde der eine für den Handel innerhalb der EU und der andere für die Ausfuhren in Drittländer zuständig sein. Auf diese Weise stärke man die internationale Veterinärzusammenarbeit und insbesondere die Veterinärverhandlungen im Zusammenhang mit dem Export von Lebensmitteln tierischer Herkunft.  

 

Grundsatzdiskussion?


Bauernpräsident Rukwied kann den ganzen Problemen auch etwas Positives abgewinnen. Er sieht mit der diesjährigen Grünen Woche eine regelrechte Grundsatzdiskussion über die Rolle der Landwirtschaft angestoßen. „Ein allgemeines Bekenntnis, dass Lebensmittel mehr wert sein müssen, reicht nicht aus“, sagte Rukwied in Berlin. Der Bauernpräsident mahnte grundlegende Veränderungen an: „Es geht um eine andere Zusammenarbeit in der Erzeugungs- und Wertschöpfungskette und letztlich um den Platz, den die Landwirtschaft in der Gesellschaft und in der Politik einnimmt.“ Der DBV sei bereit, diesen Dialog zu führen.

 

Schluss mit Panikmache!


Der Präsident des Bundes für ­Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL), Stephan Nießner, hat die Panikmache der Bevölkerung in Sachen Ernährung angeprangert. Glaube man den Schlagzeilen, scheine es in Deutschland unmöglich zu sein, sich gesund zu ernähren, so Nießner auf dem BLL-Neujahrsempfang in Berlin. Widersprüchliche Aussagen zur Wirkung von beispielsweise Zucker, Salz, Milch oder Weizen verunsicherten die Bevölkerung. Die Empfehlungen gründeten oftmals auf unwissenschaftlichen und fragwürdigen Studien. Dabei sei sich seine Branche ihrer Verantwortung durchaus sehr bewusst, unterstrich Nießner. Sie müsse und wolle die Verbrau­cherinnen und Verbraucher über Inhaltsstoffe informieren. Er­nähren müsse sich aber jeder selbst.

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