Handel unterstützt Tierwohlinitiative

13.10.2014

© Sabine Rübensaat

Das Bundeskartellamt hat keine Bedenken gegenüber der Tierwohlinitiative.

Die von der Wertschöpfungskette Schweinefleisch getragene Tierwohlinitiative muss keinen Widerstand des Bundeskartellamts befürchten. Wie der Präsident des niedersächsischen Landvolks, Werner Hilse, beim Veredlungstag des Deutschen Bauernverbandes (DBV) am Dienstag vergangener Woche in Cloppenburg gegenüber der Presse mitteilte, sieht die Behörde „keinen Anlass einzugreifen“, sodass die Signale für den Start der Initiative Anfang 2015 „auf Grün“ stehen (BauernZeitung 40/2014, S. 20). Bereits im Dezember 2014 sollen sich laut Dr. Alexander Hinrichs von der Trägergesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung Schweinehalter anmelden können; die Audits würden dann nach dem Jahreswechsel beginnen.

Details in Klärung

Festzulegen sei noch, wie der Anmeldeprozess genau laufen wird. Klar sei, dass „jeder die gleichen Chancen“ haben solle und die Anmeldung über die landwirtschaftlichen Bündler erfolgen soll. Dabei seien die Zahl der am Programm teilnehmenden Tiere und die erfüllten Tierschutzkriterien anzugeben.

Der Vorsitzende des DBV-Fachausschusses Schweinefleisch, Johannes Röring, betonte vor den gut 400 Besuchern des Veredlungstages, dass die Tierhalter in den vergangenen Jahren schon viel für den Tierschutz getan hätten. Nun bestehe die Möglichkeit, die Weichen für noch mehr Tierwohl in den deutschen Nutztierställen zu stellen. Damit zeigten Landwirte, Verarbeiter und Handel ihre Bereitschaft für Veränderungen und mehr Verantwortung. Röring warnte gleichzeitig vor überzogenen ordnungspolitischen Maßregelungen der Tierhalter, da diese das freiwillige Engagement ausbremsten und die Kosten einseitig auf die Erzeuger abwälzten.

Nichts übereilen

Die parlamentarische Staatssekretärin im Berliner Agrarressort, Dr. Maria Flachsbarth, stellte hierzu klar, dass Rechtsetzungen nicht vorschnell erlassen werden dürften. Die eigene „Tierschutzoffensive“ des Bundesministeriums wolle die verschiedenen Programme und Initiativen zur Verbesserung des Tierwohls zusammenführen, um in der Breite „die Akzeptanz in der Bevölkerung für die Tierhaltung in Deutschland zu erhalten oder wieder herzustellen“. Dabei setzte das Ministerium bewusst auch auf das Engagement der Wirtschaft. Sie betrachte die Initiative Tierwohl des Deutschen Bauernverbandes deshalb nicht als Konkurrenz für das eigene Programm, sondern als „gute Ergänzung“ und wünsche ihr „viel Erfolg“, betonte die Staatssekretärin. Insbesondere verspreche sie sich von den Maßnahmen eine große Breitenwirkung, die dem vom Agrarressort unterstützten Label des Deutschen Tierschutzbundes (DTB) mit einem Marktanteil von nicht einmal zwei Prozent bisher versagt geblieben sei.

Gute Erfolgsaussichten der Brancheninitiative vermerkte der stellvertretende Geschäftsführer des Bereichs Qualitätswesen bei Aldi Süd, Ralf-Thomas Reichrath. Im Gegensatz zu früheren Einzelprogrammen, die nicht über ein Nischendasein hinausgekommen seien, sei nun erstmals eine Allianz aller Beteiligten geschmiedet worden. Wichtig sei dabei, dass „der Tierschutz nicht als Wettbewerbsmerkmal betrachtet“ werde. Der Tierwohlbeitrag von 4 ct/kg Verkaufsgewicht von frischem Schweinefleisch, Hackfleisch, Tiefkühlware oder Wurstwaren im Lebensmitteleinzelhandel sei abgekoppelt vom Einkaufspreis und werde direkt an die Clearingstelle zur vierteljährigen Auszahlung an die Landwirte überwiesen, so Reichrath.

Verstärkung gesucht

Aldi-Manager Reichrath regte an, neben den noch nicht beigetretenen Handelsunternehmen mit einem Marktanteil von 15 % auch Fleischerfachgeschäfte, Großhändler oder die Systemgastronomie für die Tierwohlinitiative zu gewinnen, um die finanzielle Ausstattung des Fonds zur Finanzierung von Tierschutzmaßnahmen weiter zu stärken.

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