Gute Geschäfte mit Volksland

26.01.2015

© Sabine Rübensaat

Die BVVG hat auch 2014 Wald und landwirtschaftliche Flächen veräußert und eine gewaltige Summe eingespielt.

Der Finanzminister Wolfgang Schäuble kann sich freuen. Die BVVG hat im vergangenen Jahr einen Überschuss von 507 Mio. € erwirtschaftet und an den Bundeshaushalt abgeführt. Dafür hat sie rund 33 700 ha landwirtschaftliche Flächen, knapp 13 400 ha Wald und rund 2 200 ha Umwidmungsflächen veräußert. Die zum Verkehrswert angebotenen Flächen wurden für durchschnittlich 17 269 €/ha verkauft. Das sind 12 % mehr als im Vorjahr, wobei die Preisentwicklung regional sehr unterschiedlich gewesen ist. „Die BVVG-Preise spiegeln die aktuelle Entwicklung auf dem Bodenmarkt wider“, erklärte BVVG-Geschäftsführer Stefan Schulz, der den unlängst pensionierten Dr. Wilhelm Müller abgelöst hat. Dabei sei Luft nach oben: Der Durchschnitt in den alten Bundesländern habe im Jahr 2013 bei 25 200 €/ha gelegen.

Hohe Nachfrage

Als  Gründe für den allgemeinen Bodenpreisanstieg sieht Schulz steigende Erzeugerpreise bei pflanzlichen Produkten, das niedrige Zinsniveau und die Nachfrage nach krisenfesten Kapitalanlagen. Insgesamt sei die Preisentwicklung Ergebnis einer erhöhten Nachfrage nach dem knappen Gut Agrarfläche. Die BVVG sei gehalten, die Flächen zum Marktwert anzubieten, der mit einem eigens ausgearbeiteten Vergleichspreissystem ermittelt werde.

Das habe viele Landwirtschaftsbetriebe jedoch nicht davon abgehalten, ihren Eigenlandanteil zu erhöhen. Viele berechtigte Pächter nutzten auch im Jahr 2014 ihre Direkterwerbsmöglichkeit nach den Privatisierungsgrundsätzen (PG) 2010. Rund 13 300 ha hat die BVVG direkt – also ohne Ausschreibung – veräußert. Der durchschnittliche Preis von 18 795 €/ha lag dabei über dem Niveau bei den Ausschreibungsverkäufen (15 869 €/ha). Rund 2 600 ha gingen in einen vierjährigen Pachtvertrag und rund 2 200 ha in einen neunjährigen Pachtvertrag. Im Ergebnis von bedingungsfreien Ausschreibungen hat die BVVG im Jahr 2014 rund 7 100 ha landwirtschaftliche Flächen verkauft, rund 9 500 ha wurden verpachtet.

Der überwiegende Teil der verkauften Lose ging an ortsansässige Landwirtschaftsbetriebe. Für Kapitalanleger seien die Ausschreibungen durch die geringen Losgrößen von durchschnittlich 18 ha und die Streulagen der Flurstücke in der Regel uninteressant gewesen, so Schulz. Sie kauften eher ganze Landwirtschaftsbetriebe, zum Beispiel durch Übernahme von Geschäftsanteilen.

7 600 ha landwirtschaftliche Fläche hat die BVVG im Jahr 2014 beschränkt ausgeschrieben. Teilnahmeberechtigt waren hier nur arbeitsintensive Betriebsformen. Auch 34 Junglandwirte hätten Land gekauft.

Alteigentümer bedient

Weiterhin habe der begünstigte Verkauf von Flächen an Alteigentümer eine Priorität, berichtete Schulz. Dazu seien 3 033 Anträge eingegangen.  2 716 Anträge wurden bereits erledigt und dabei knapp 10 500 ha Acker- und Grünland an Alteigentümer veräußert. Aktuell liegen noch 317 Anträge vor. Allerdings würden die verbliebenen Fälle „zunehmend komplexer“, weil zum Beispiel weitverzweigte Erbengemeinschaften ins Spiel kommen, so Schulz. Verkauft hat die BVVG im Jahr 2014 auch rund 13 400 ha Wald. Davon gingen über 10 000 ha nach dem Entschädigungs- und Ausgleichsleistungsgesetz (EALG) begünstigt an Alteigentümer. Die Ausschreibungslose waren  im Durchschnitt 14 ha groß.

Weitgehend abgeschlossen ist die gesetzlich vorgesehene unentgeltliche Übertagung von Naturschutzflächen. Bisher wurden 63 469 ha an die ostdeutschen Bundesländer übergeben – 840 ha waren es im vergangenen Jahr.  

Teure Pachten

In Verpachtung hat die BVVG derzeit noch 184 000 ha Flächen. Während die Bestandspacht im Durchschnitt 347 €/ha beträgt, wurden bei der Neuverpachtung von 26 000 ha Fläche 433 €/ha verlangt. Dieses Jahr stehe vor allem der Verkauf von Flächen über Ausschreibungen und Direktvergaben sowie die Abarbeitung von Alteigentümeransprüchen im Mittelpunkt, so der zweite BVVG-Geschäftsführer Wolfgang Suhr. Insgesamt rechne er mit dem Verkauf von gut 23 000 ha landwirtschaftlicher Fläche.  Von den Verkehrswertverkäufen werden voraussichtlich rund 60 % auf den Direkterwerb und 40 % auf den Verkauf nach Ausschreibungen entfallen. Es wird mit einem Überschuss von 450 Mio. € gerechnet.

Ende in Sicht

Für die kommenden Jahre ist jährlich ein Verkauf von maximal 20 000 ha Landwirtschafts-, Wald- und Umwidmungsflächen vorgesehen, um bis zum vorgesehenen Ende der Privatisierungstätigkeit 2025 ein gleichmäßiges Flächenangebot sicherzustellen. Schon Ende 2015 werden die Niederlassungen Neubrandenburg, Cottbus, Halle und Erfurt schließen. Die Aufgaben werden zukünftig von den Landesniederlassungen wahrgenommen.

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