Gut Wetter

15.11.2013

Milchkarussell voller Kühe

Die Milch macht's

Die Milchwirtschaft hofft auf bessere Wettbewerbsfähigkeit. © Sabine Rübensaat

Das Jahr 2015 markiert das definitive Ende der Milchquote, und das ist gut für die deutsche Milchwirtschaft. Dennoch tauchen immer wieder Überlegungen auf, das Quotenregime durch eine Nachfolgeregelung zu ersetzen“, erklärte der Generalsekretär des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV), Dr. Henning Ehlers, vergangene Woche in Berlin im Rahmen einer Fachtagung für die genossenschaftliche Milchwirtschaft. Der DRV habe diesen Denkansätzen stets mit Nachdruck widersprochen. Die politische Steuerung der Milchmenge im europäischen Binnenmarkt sei angesichts der globalen Marktentwicklung ein überholtes Modell. Zudem habe die Branche bereits in der Vergangenheit ihre Anpassungsfähigkeit bewiesen.

 

Plädoyer für freie Märkte

Rückendeckung erhielt der DRV-Generalsekretär vom Vorstandsvorsitzenden des Deutschen Milchkontors (DMK), Alfons Kerlfeld, vom Geschäftsführenden Vorstand der Milchwerke Schwaben, Fritz Fallscheer, und vom Aufsichtsratsvorsitzenden der Hochwald Foods GmbH, Hans-Jürgen Sehn, die ihrerseits für freie Märkte nach 2015 und eine konsequente Exportausrichtung der deutschen Milchwirtschaft plädierten.

Prof. Ludwig Theuvsen von der Universität Göttingen ging in seinem Vortrag davon aus, dass der Quotenausstieg für Wachstumsbetriebe mehr Chancen als Risiken mit sich bringt, während er auf die wachsenden gesellschaftlichen Herausforderungen für die deutsche Milchbranche hinwies. Laut Theuvsen wird der Ausstieg aus der Quotenregelung in 2015 zu einer messbaren Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Milcherzeuger führen. Nach seinen Angaben schlagen die Kosten der Mengensteuerung heute noch im Durchschnitt mit 1,8 ct/kg Milch zu Buche. Insbesondere wachstumsorientierte Unternehmen könnten von dieser Entlastung ab dem übernächsten Jahr profitieren. Der Göttinger Agrarökonom warnte deshalb nachdrücklich vor einer Abkehr vom Ausstieg. Er plädierte vielmehr für ein eff ektives Sicherheitsnetz in Form von Interventionsmaßnahmen, genauer Marktbeobachtung und Liquiditätshilfen, um die Erzeuger im Fall außergewöhnlicher Krisen vor strukturellen Brüchen zu bewahren. Theuvsen erwartet nach dem Quotenausstieg keinen explosionsartigen Produktionszuwachs und sieht auch die lebhaften Investitionen im Norden und Osten Deutschlands lediglich als regionale Phänomene an.

Die FDP-Europaabgeordnete Britta Reimers bezeichnete die Ergebnisse des europäischen Milchpakets als guten Kompromiss und verwies auf die Schwierigkeiten, viele unterschiedliche Vorstellungen und Interessen in Brüssel unter einen Hut zu bringen. Die FDP-Politikerin ist mit Blick auf die weltweite Absatzlage zudem zuversichtlich, dass eventuelle europäische Übermengen nach 2015 erfolgreich im Export vermarktet werden können. Schwierigkeiten sieht sie aber in den zunehmenden gesellschaftlichen Anforderungen an die Tierhaltung und in der Distanz zwischen urbaner Bevölkerung und landwirtschaftlicher Produktion.

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