Grüne Woche

28.01.2013

 

 

Berlin. Wie selten zuvor hat sich die Grüne Woche bereits in den ersten Tagen nach ihrer Eröffnung als Forum der Welt-. Europa- und Bundespolitik erwiesen. Nachdem der Regierung mit der Rekordbeteiligung beim 5. Berliner Agrarministergipfel ein nahezu unglaublicher Erfolg gelungen ist, sorgte auch der Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel für Aufregung. Letztmalig hatte Bundeskanzler Kohl die Grüne Woche 1983 besucht. Merkel dankte den Bäuerinnen und Bauern für ihre Leistungen zur Ernährung der Menschen im In- und Ausland. Besonders für ihren Besuch des i.m.a - Wissenshofes, der ersten Station auf dem ErlebnisBauernhof, hatte die Bundeskanzlerin Zeit mitgebracht. Interessiert ließ sie sich gemeinsam mit der Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner und Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit erklären, was Kinder und Jugendliche hier über Lebensmittel, ihre Herkunft, und ihre Verarbeitung lernen können. 

 

Auch Ministerin Aigner würdigte auf dem Neujahrsempfang des Deutschen Bauernverbandes die hohen Leistungen des landwirtschaftlichen Berufsstandes und sicherte maximale Unterstützung bei den EU-Verhandlungen zu. Lebensmittel und ihre Produzenten hätten höchste Wertschätzung verdient. Das Verdienst der Grünen Woche sei es, Landwirtschaft und Verbraucher zusammenzubringen. Und schön sei zu erleben, dass diese Begegnung von Respekt, Anerkennung und Lebensfreude geprägt sei. Das seien Zeichen einer neuen Nähe zwischen Landwirten und Verbrauchern.  

 

Ein einstimmiger Reigen wohlgestimmter Menschen wurde die Grüne Woche dennoch nicht. Zahlreiche Kritiker der aktuellen Agrarpolitik und auch des Ausstellungsgeschehens meldeten sich ebenfalls zu Wort. Neben den Aktivitäten des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter war eine Demonstration vor dem Bundeskanzleramt am Samstag Höhepunkt der Protestaktionen. Gut 8 000 Demonstranten waren zu Fuß oder auf einem der rund 40 Traktoren und LKW gekommen, um für Bauernhöfe statt Agrarindustrie, eine neue Agrarpolitik, soziale Arbeitsbedingungen in der Ernährungsbranche, für eine gentechnikfreie Landwirtschaft,  Bienenschutz, freien Saatgutnachbau, biologische Vielfalt, artgerechte Tierhaltung, moderne und pestizidfreie Landwirtschaft und gesundes Essen und zu demonstrieren. An der friedlichen und über weite Strecken fröhlich-lärmigen Aktion nahmen Vertreter von über 50 Organisationen teil und wandten sich auch gegen den Einsatz von Gentechnik, übermäßigen Maisanbau, Tierquälerei  und weltweites Bauernhofsterben. Manche Teilnehmer plädierten auch einfach für globales Denken, regionale Kost und fairen Umgang miteinander. Neu und auffallend waren Plakate gegen die staatliche Bodenpolitik und eine in deren Folge drohende Industrialisierung der ostdeutschen Landwirtschaft. Unter den Akteuren der Demonstration waren auch bekannte Agrarunternehmen der Region wie Gut Schmerwitz, Gut Temmen oder die AEVG e.G. Friedenfelde. 

 

Den Landwirten sei bewusst, dass heutige Tierbestandsgrößen, moderne Haltungsverfahren und erst recht Eingriffe am Tier einer intensiven Erklärung in die Gesellschaft hinein bedürfen, sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, dazu gegenüber dem Verband Deutscher Agrarjournalisten (VDAJ). Eine Weiterentwicklung der Tierhaltung müsse möglich sein, denn der Zweig habe für die Landwirte enorme wirtschaftliche Bedeutung. Dazu seien die entsprechenden Rahmenbedingungen aber auch die gesellschaftliche Akzeptanz notwendig. Die Tierhaltung finde gerade in Deutschland mehrheitlich in bäuerlichen Unternehmensstrukturen statt. Von übergreifender ‚Massentierhaltung’ könne insofern nicht die Rede sein. Auch stünden beim Tierschutz gerade die deutschen Tierhalter weltweit ganz vorne, und die Tierhaltung werde kontinuierlich weiterentwickelt. Jeder Stallbau bedeute ein Mehr an Tierschutz. Der DBV arbeite aktuell gemeinsam mit dem Lebensmitteleinzelhandel an einer Tierwohlinitiative. Dabei soll ein Mehr an Tierschutz im Betrieb mit einem direkten finanziellen Ausgleich versehen werden. BZ

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