Großes Theater um Neonikotinoide

03.05.2013

Biene auf orangener Blüte

 

Brüssel. Die Frage des Verbots von Neonikotinoiden im Pflanzenschutz entwickelt sich mehr und mehr zum Politikum. Mehrere EU-Mitgliedstaaten, darunter Deutschland, drängen auf Ausnahmereglungen vom geplanten Verbot. Wie aus einem in Brüssel kursierenden Alternativvorschlag zum Entwurf der EU-Kommission hervorgeht, sollen Behörden die Beizmittel Clothianidin, Imidachloprid und Thiamethoxam auf nationaler Ebene bis Ende August 2016 weiter zulassen können, wenn „inakzeptable“ Risiken für Bienen vermieden werden können. Auch sollen Übergangsfristen für die Vermarktung von bereits gebeiztem Saatgut gelten.

 

Ursache dieser Alternativvorschläge sind nicht zuletzt massive Proteste seitens der agrochemischen Industrie und der Landwirtschaft.  Nach Einschätzung des der Union zur Förderung der Öl- und Proteinpflanzen (UFOP) ist die Kleine Kohlfliege ohne neonikotinoide Saatgutbeizung heute schon nicht mehr bekämpfbar. Gegen den Rapserdfloh seien zwar Behandlungen mit Pyrethroiden zugelassen; diese würden jedoch wegen fortschreitender Resistenz zunehmend unwirksam. Das Unternehmen Syngenta erneuerte seine Forderung nach einer wissenschaftlich fundierten Debatte. Was dazu derzeit in Brüssel passiert, hat nach Ansicht von Peter Hefner von der Syngenta Agro GmbH „mit Wissenschaft nichts zu tun“. Hefner wies vergangene Woche in Frankfurt darauf hin, dass die Neonikotinoide seit mehr als 15 Jahren auf den Markt seien und gegenüber früheren Wirkstoffen einen deutlichen Fortschritt markierten. Der Chief Operating Officer von Syngenta, John Atkin, warf der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) vor, Studien zum Einsatz von Neonikotinoiden in der Praxis nicht berücksichtigt zu haben und andere Faktoren für den Rückgang der Bienenpopulation zu vernachlässigen.

 

Die EU-Kommission tritt weiter dafür ein, Neonikotinoide für den Einsatz in als bienenattraktiv eingestuften Kulturen nach dem 30. Juni 2013 zu verbieten. Noch in dieser Woche soll dazu  abgestimmt werden. Der für die Lebensmittelkette zuständige stellvertretende Leiter der Generaldirektion Gesundheit und Verbraucher, Ladislav Miko,  betonte am Rande eines Syngenta-Forums in Brüssel, dass die EFSA klare Gutachten zu den Risiken der Neonikotinoide abgegeben habe. Man könne nicht leugnen, dass die Stoffe ein Risiko für Bienen darstellten. Von der Robustheit gegenteiliger Studien sei die EFSA nicht überzeugt gewesen, und man folge ihrem neutralen Rat.

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