Große Jagd auf Schwarzkittel?

18.01.2018

© Uwe Oehm

Aufgrund der zunehmenden Gefahr der Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) will der Deutsche Bauernverband (DBV) ein Paket von Präventions- und Bekämpfungsmaßnahmen verwirklicht sehen. „Für uns haben vorbeugende Maßnahmen und deren Umsetzung angesichts des scheinbar unaufhaltsamen Vorrückens der gefährlichen Tierseuche, gegen die es noch keine Impfung gibt, derzeit oberste Priorität. Wir fordern ein bundeseinheitliches Vorgehen in der Seuchenprävention“, betonte DBV-Vizepräsident Werner Schwarz vor Journalisten in Berlin.


Eine zentrale Rolle soll dabei die Intensivierung der Wildschweinbejagung spielen. Die 2015/16 erlegte Jagdstrecke von 610.000 Schwarzkitteln werde nicht ausreichen, um den stark gewachsenen Wildschweinbestand einzudämmen, hob Schwarz hervor. Er sprach sich stattdessen dafür aus, bundesweit bis zu 70 % aller Wildschweine zu bejagen, um die Population zu reduzieren. Dabei müssten auch Schon- und Ruhezeiten sowie anderweitige Einschränkungen der Jagd ausgesetzt werden. Ausgenommen werden sollen allenfalls tragende und säugende Sauen mit unselbstständigen Frischlingen. Tierschutzrechtliche Bedenken wies Schwarz in diesem Zusammenhang zurück. Der Leidensdruck infizierter Wildschweine sei allemal höher als die Folgen einer intensiven Bejagung. In einem ebenfalls am vergangenen Freitag vorgelegten Präventionspapier verlangt der Bauernverband zur Förderung einer stärkeren Bejagung bundesweite Aufwandsentschädigungen für erlegtes Schwarzwild, Unterstützung bei der Vermarktung des Wildbrets sowie die Öffnung bisher befriedeter Regionen wie Stadtgebiete.


Die Forderungen des DBV haben allerdings in der Politik ein geteiltes Echo hervorgerufen. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Susanne Mittag bezeichnete eine Bestandsreduzierung um 70 % als „blinden Aktionismus“. Schwarzwild sei in Bezug auf die ASP nicht die größte Gefahr, sondern Reisende, die die Erreger einschleppten. Mittag drängt daher auf intensivere Kontrollen im Transitverkehr, Sanktionen für Regelverstöße, Erhalt bestehender Wildzäune in den Grenzregionen sowie Biosicherheitsmaßnahmen. AgE

 

In vielen Nachrichtenmedien kamen die Botschaften des Bauernverbandes leider arg verkürzt an. So meldete Spiegel online, Verbandsvertreter hätten gefordert, dass 70 % der Wildschweine zur Verhinderung eines Marktzusammenbruchs abgeschossen werden müssten und die Tötung von Muttertieren und Frischlingen erlaubt werden solle. Der Aufschrei in den Kommentarspalten ließ natürlich nicht auf sich warten. Mehr zum Thema in der Bauernzeitung, Ausgabe 3/2018, Seite 37).

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